Nächste Aufführung: Am Freitag, 4. Juni 2010 um 20.00 Uhr

im Museum der Stadt Bad Schwartau, Anton-Baumann-Straße

SCHWARTAUER ALLERLEI

( H. Witt / R. Glomp )

 

EINE GEMEINSCHAFTSVERANSTALTUNG ZUGUNSTEN DES INSEL – PROJEKTES

DER AWO AN DER GEMEINSCHAFTSSCHULE BAD SCHWARTAU

 

Erleben Sie eine PREMIERE und genießen Sie die süssen
und bittersüßen Gerichte in dieser Speise, zubereitet und serviert
von Mitgliedern der bühne 15 VHS, den AWO – Minis,
der AWO – band „HaveFun“ sowie den Musizier- und Tanzkreisen der AWO.
 

  Tischmusik HaveFun – AWO – Band
  Vorspeise 

  Das kleine Bäumchen Peterle (Die AWO – Minis)

  1. Gang  Mutter und Tochter (bühne 15 VHS)
  2. Gang Beim Psychiater (bühne 15 VHS)
  3. Gang Urlaub auf dem Bauernhof (bühne 15 VHS)
  4. Gang  Tanzkreis der AWO
  5. Gang  Auf dem Flughafen (bühne 15 VHS)
  6. Gang Der Seemann und das Mädchen (bühne 15 VHS)
  Nachspeise Musizierkreis der AWO

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Was schreibt die Presse? Wochenspiegel der 19. Woche:

 




Vorverkauf, Anfahrt und Kontakt

Frühes Kommen sichert die besten Plätze, aber keine Angst, Karten gibt es nicht nur an der Abendkasse, sondern auch im Vorverkauf im

Schuh- und Sporthaus Klindwort,
Markttwiete 6, Bad Schwartau,

oder telefonisch bei der bühne 15
Tel.: 0451 / 296 18 22.

Sie können uns auch per e-mail erreichen und auf diesem Weg Anregungen, Fragen und natürlich auch Kartenreservierungen los werden.


Aufführungen 2010:

         Freitag, 24. September 2009

         immer im Museum der Stadt Bad Schwartau, Anton-Baumann-Straße



 Zuletzt gespielt:

"Zwiegespräche"

Wenn die Wände OHREN haben...

 

 Erlauchte Szenen von Hannelore Witt und Ralph Glomp


Geahnt haben wir es ja schon immer, aber jetzt haben wir Gewissheit: Die Wände haben OHREN - und sie unterhalten sich auch noch miteinander! Dass die   L e u t e   reden, wussten wir ja schon. Aber die Wände auch - das ist doch wirklich bitter, oder?

Wie auch immer - erleben Sie jede Menge Zwiegespräche der Bewohner und Besucher zweier Wohnungen und genießen Sie die witzigen und bissigen Kommentare ihrer zwei Nachbar-Wände zu folgenden Begebenheiten:

1. Wie verwöhne ich meinen Mann?
2. Die Computerhotline
3. Mutter und Tochter
4. Liebe beim Psychiater
5. Auf dem Flughafen
6. In der Parfümerie

Und dann kommt die Pause und Sie können darüber nachdenken, ob auch bei Ihnen zuhause die Wände OHREN haben und Sie nie mehr ungestört Zwiegespräche führen können, denn nicht der Feind, sondern Ihre Wand hört mit!

Und wieder lädt Frau Wänderine Herrn Wänderich zum neuesten Klatsch und Tratsch über ihre Bewohner ein. Und worum geht es jetzt schon wieder?

7. Urlaub auf dem Bauernhof
8. Der Mann im neuen Jahrtausend
9. Tante und Nichte
10. Kommunikationstraining
11. Beim Friseur
12. Kochen mit Glutamat

Aber als dann Herr Wänderich den für Frau Wänderine nicht so schmeichelnden Schlusskommentar abgibt, hat diese sich für's erste aus dem Staub gemacht - wie finden Sie das?


Leseprobe gefällig?

Oahhh!!! War das ein Tag. Ich habe gedacht, ich komme heute gar nicht mehr aus der Firma. Ich hatte mich eigentlich schon ausgestempelt, da kommt der Chef noch mit einem "dringenden Auftrag", der keinen Aufschub duldet.

Und das alles nur, weil ich dusselige Kuh nicht rechtzeitig die Kurve gekriegt habe.

(Sie imitiert schnippisch den Chef.) "Tja, Frau Müller, Sie wollen doch die Karriereleiter noch hochsteigen. Dann müssen Sie auch Einsatz zeigen. Sie haben sich schon ausgestempelt? Das ist doch nicht mein Problem. Wenn sie in diesem Unternehmen etwas erreichen wollen, dann können Sie nicht immer nur auf die Uhr gucken. Ich empfehle Ihnen, dass Sie diesen Vorgang heute sehr zügig erledigen, dann haben Sie auch eher Wochenende."

Ach was soll's. Ich habe jetzt Wochenende. Ich lasse mir jetzt ein heißes Bad ein und öffne eine schöne Flasche Rotwein.

(Das Telefon klingelt.) Nein. Da gehe ich jetzt nicht ran. Ich bin für niemanden zu sprechen. (Sie zieht den Stecker aus dem Telefon.) Das Handy schalte ich auch gleich aus. Die Leute sind so rücksichtslos. Es ist, als wenn mir niemand meinen Feierabend gönnt. Aber nun kann mich niemand mehr stören.

(Sie geht in das Nebenzimmer. Man hört jetzt das Rauschen einer sich füllenden Badewanne. Sie kommt mit einer entkorkten Flasche Wein und einem Glas auf die Bühne zurück, schenkt sich ein und trinkt einen Schluck. Es klingelt an der Tür. Sie ist wie vom Donner gerührt.)

Die Türklingel! Die hatte ich ganz vergessen! Ich tue so, als wäre ich nicht da. (Sie erschreckt.) Und das Licht? Na, dann bin ich eben mal in den Supermarkt gelaufen und habe das Licht für den Moment an gelassen. Derjenige wird schon wieder gehen.

(Es klingelt erneut. Sie springt auf und geht nervös durchs Zimmer.) Wer kann denn das sein? Wer ist denn so hartnäckig und klingelt ein zweites Mal, wenn niemand zuhause ist?

Ich würde ja zu gerne wissen, wer so viel Frechheit besitzt. Ich kann jetzt nicht ans Fenster gehen, dann sieht man mich.

(Es klingelt zum dritten Mal.) So, jetzt reicht es! Ich rufe die Polizei an! (Sie greift zum Telefon.) Hallo? Das Telefon ist tot! (Sie drückt mehrfach auf die Gabel.)

Oh mein Gott, sie haben das Telefon gekappt! Draußen steht der Würger und ich kann nicht einmal die Polizei rufen. Wenn ich jetzt um Hilfe rufe, dann weiß er, dass ich da bin.

Aber hören mich die Nachbarn? Schröders sind im Urlaub und Frau Susebiehl ist praktisch taub. (Ein Anflug von Panik.) Ich bin hier praktisch ganz allein.

(Sie läuft aus dem Zimmer und kommt mit einem langen Messer wieder. Sie spricht voller Entschlossenheit.) So, Du Schwein, Du kannst jetzt kommen!

(Ein Schlüssel wird im Schloss der Haustür herum gedreht. Sie kauert sich hinter den Sessel und ist mit dem Messer Angriffsbereit. Eine Person betritt das Zimmer mit einem Schlüsselbund in der Hand. Die Hausbewohnerin springt auf und stößt einen Angriffsschrei aus.)

Schade, den Rest gibt es im Theater...


Oder wie wäre es damit?

Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, nicht darüber zu sprechen, weil ich befürchtete, Sie könnten einen falschen Eindruck von mir bekommen. (Sie atmet einmal tief durch.)

Aber meine Freunde meinen, ich müsse das jetzt tun. Als eine Art finale Reinigung nicht nur meines Körpers, sondern auch meiner Seele.

(Resignierend.) Ach was soll's, das macht ja heute jeder. Ich habe Detoxing, also Entgiftung gemacht. Kein Alkohol, kein rotes Fleisch, kein Obst - außer Bananen, aber was bringt das schon.

(Sie leiert die Lebensmittel runter.) Keine Gurke, keine Tomaten, kein Weizen, keine Pasta - eigentlich zwei Wochen ohne alles.

Es war das hektische Mittagessen, ein fataler Hang zu Bratwurst und ein Wochenende in Brüssel, die mich zu diesem Wahnsinn trieben. Am Ende sollte ich gesünder, schöner, zufriedener, schlicht: ein besserer Mensch sein.

Dafür hält man einiges aus. Den ersten Tag ist man noch hoch motiviert und freut sich auf das erste große Shoppen im Bio-Supermarkt.

Das vergeht nach dem dritten Tag, an dem man wieder nur Sojadrinks, Tofu und Bananen zur Kasse trägt.

Das ist auch ungefähr die Zeit, in der man begreift, warum Detox übersetzt auch Entzug heißen kann. Man fühlt sich wirklich wie auf Turkey. Einen mittelschweren Schweißausbruch kann ich nachweisen.

Nach zehn Tagen habe ich dann beschlossen, das Programm zu überarbeiten: Zwei statt der vorgeschriebenen drei Wochen sind vollkommen genug.

Ich sehe nach eigenem Ermessen kein Stück besser aus als vorher. Und einmal haben meine Freundin und ich uns allen Ernstes gegenseitig gestanden, einen Pfirsich oder nicht-weizenfreies Müsli gegessen zu haben. Dass ich einmal eine solche Sünde begehen würde, hätte ich nie für möglich gehalten.



Zuletzt gespielt


"Die HARAS kommen!"

Studiobühne in der bühne 15 VHS

Achtung: 2. Folge

EHE mals
GLÜCK lich


Nachdem die HARAS in ihrer ersten Show daran zweifelten, ob Männer und Frauen überhaupt zusammen passen, haben sie sich für ein weiteres Zusammenraufen entschieden, um in ihrer zweiten musikalischen Revue mit neuen  zwischenmenschlichen Fallstricken zu kämpfen. Auch hier geht es also um alltägliche oder irrwitzige Siuationen zum Thema Liebe und Zweikampf zwischen den Geschlechtern 

Wollen auch Sie einen Blick hinter die Kulissen der HARAS werfen, und erfahren warum diese sich jetzt für EHE mals GLÜCK lich erklären? Haben auch  SIE zu diesem Thema vielleicht schon Überlegungen angestellt, wollten oft schon „aufgeben“ und haben es dann doch wieder und wieder versucht? Weil es nicht  MIT, aber auch nicht  OHNE  geht? Dann besuchen Sie DIE  HARAS.


Seit 4 Jahren besteht unsere kleine Studiobühne als "Kind" der bühne 15 VHS , und nachdem die HARAS in ihrer ersten Show daran zweifelten, ob Männer und Frauen überhaupt zusammen passen, haben sie sich für ein weiteres Zusammenraufen entschieden, um in ihrer zweiten musikalischen Revue EHE mals GLÜCK lich (von Ralph Glomp) mit neuen zwischenmenschlichen Fallstricken zu kämpfen.  


Vielleicht können Sie ja noch etwas dazulernen - zum Thema "Herzschmerz". Aber keine Sorge, hier wird "leichte Kost" serviert!   Übrigens: Der Name HARAS leitet sich ab aus HA nnelore (Witt) und RA lph (Glomp) - es handelt sich also um ein 2 - Personen Stück.


 

Lübecker Nachrichten, 29.09.2009


Zuletzt gespielt:

"Leichenschmaus"

Eine Krimigroteske
Vorsicht schwarzer Humor!
von Ralph Glomp

Herr Wiechmann, Inhaber der gleichnamigen Ladenkette, Ehemann (geschieden und wiederverheiratet) und Vater, ist verstorben.

Und die folgenden Szenen lassen lediglich den Schluss zu, dass durch dieses Ereignis – was durchaus im Normenbereich liegt – der Alltag etwas aus den Fugen geraten ist.

Die Gärtnerin streitet sich mit dem Sohn des Hauses. Die Haushälterin gibt sich allwissend und tiefgründig. Die Ehefrau trauert, der Bestatter „tröstet“.

Leidige Auseinandersetzungen zwischen Stiefsohn und Stiefmutter. Und zuguterletzt eine sich evtl. anbahnende Romanze zwischen dem neuen Gemeindepastor und der Tochter des Hauses. Und auch die plötzlich auftauchende erste Ehefrau gibt nachvollziehbare Gründe für ihr Erscheinen an.

Dass ausgerechnet die zweite Ehefrau das Gespräch auf den seit langem verschwundenen zweiten Sohn des Hauses bringt, erscheint daher zunächst lediglich etwa merkwürdig.

UND DANN KOMMT DIE PAUSE.

Danach ist nichts mehr, wie es einmal war und Ihre Gehirnzellen haben keine Zeit zum Ausruhen, denn…..

die Haushälterin scheint mehr zu wissen, der Pastor gewinnt an Kontur, und ….. mehr wird nicht verraten !!!

Und sollten Sie nach dem Ende des Stückes noch nicht das ganze Knäuel entwirrt haben – grämen Sie sich nicht. Auch die Mitspieler brauchten etwas Zeit, um „alles zu begreifen“ und stehen Ihnen gerne anschließend für die Klärung noch offen stehender Fragen zur Verfügung.


Zuletzt gespielt:

"Die HARAS kommen!"

1. Folge

Männer und Frauen passen nicht zusammen

...oder doch?

Eine musikalische Revue über Liebe und
Zweikampf zwischen den Geschlechtern
von Ralph Glomp

Wenn Hannelore Witt und Ralph Glomp miteinander oder übereinander sprechen, dann fliegen die Fetzen. Denn Männer und Frauen passen nun mal nicht zusammen. Oder vielleicht doch?



Dies ist die zentrale Frage, die in einer fast zweistündigen Aufführung diskutiert wird, wenn „Die HARAs kommen“.


Die HARAs sind ein Ableger der „bühne 15“ der VHS Bad Schwartau, sozusagen das Studio der Bühne, das sich zum dreißigjährigen Jubiläum entwickelt hat. Und wie es sich entwickelt hat, das konnten die Schwartauer Zuschauer bei mehreren Aufführungen hautnah miterleben. Da wurde gezickt und gezetert, geliebt und gekost. Und zwar in allen Lebenslagen.


Wie waren Menschen in der Lage, einander kennen zu lernen, als es das Internet noch nicht gab? War früher wirklich alles besser? Wie wird die Liebe in der Zukunft sein? Sind Südländer bessere Liebhaber? Und hilft es, seinen schwulen Friseur in die Partnerberatung mit einzubeziehen?


Fragen über Fragen, die das Duo in nachdenklichen, emotionalen, launigen und skurrilen Situationen klärt. Die Darsteller nehmen dabei das Publikum mit, das sich in vielen Situationen wieder erkennt.


Unterstrichen wird das Schauspiel von Musik und Gesang; mit Liedern, die zum Teil eigens für diese Revue komponiert wurden. Hannelore Witt und Ralph Glomp sind von diesem Konzept so überzeugt, dass es bereits Planungen gibt, mit dem Stück auf Tournee zu gehen.


Zuletzt gespielt:

"Hier spricht
Erich Kästner"

Eine Collage von Hannelore Witt

HIER   SPRICHT   ERICH   KÄSTNER - ein Sohn des Volks, wie ihn Hermann Kesten in einem Geleitwort nennt, von den Dingen des Alltags. Und ohne dass er den Alltag verfälscht, ist seine Diktion so einfallsreich, so geistvoll, so präsis und amüsant, als trüge die Poesie Alltagskleider.

Was man in der Jugend sich wünscht, sagt Goethe, erhält man im Alter die Fülle. Schulkinder in aller Welt lernen heute die deutsche Sprache an Kästners Texten. Schulhäuser heißen nach ihm. Er gefällt dem Volk und hat Millionen Leser in Deutschland und in aller Welt.

In Kaffeehäusern und Bars beobachtete Kästner die Leute, die er in seine Gedichte und Romane nahm. Er prüfte sie mit der Freundlichkeit eines alten Hausarztes und gab seine Diagnose mit der operativen Schärfe eines Chirurgen.

Bei allem bösen Witz des unparteiischen Zeitkritikers hatte er jenen seltenen Charme, der durchs ganze Leben treu bleibt. Er gefiel auf den ersten Blick, und ihm gefielen die Leute, deren Sorgen und Interessen er teilte – in der Tat ein Bruder des Volks.


Diese Collage präsentiert Werke der unterschiedlichsten Art. Überläuft einen bei der Kantate „De Minoribus“ ein Gruselschauer, kann man sich bei „Pünktchen spielt Theater“ wieder erleichtert zurücklehnen, um gleich darauf bei dem „Berliner Hetärengespräch“ wieder ins Grübeln zu verfallen, das sich bei „Ein Hund wird rasiert“ wieder in Gelächter auflöst. Ein Wechselbad der Gefühle also, das Erich Kästner von oben herab heiter und witzig kommentiert.

Und wenn Erich Kästner uns dann mit den Worten entlässt:

„Wird's besser? Wird's schlimmer?
Fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich:
Leben ist immer lebensgefährlich!",

dann gehen wir nachdenklich schmunzelnd nach Hause.


„bühne 15“ - was verbirgt sich hinter diesem Namen? 


Zunächst einmal ist dies ein Kursangebot der Volkshochschule Bad Schwartau, das zeitlich nicht begrenzt ist. 

Unter diesem Namen treffen sich Menschen, die im Theaterspiel die Möglichkeit nutzen, alle menschlichen Facetten in sich gefahrfrei spielerisch herauszuarbeiten und im Theaterspiel auszuleben. So steht auch nicht die Häufigkeit der Aufführungen, sondern das genaue Erspüren der einzelnen  Charaktere eines jeden Stückes im Vordergrund. Wo sonst ist es möglich, Emotionen (Wut, Trauer, Freude, Ärger, Reue, Neid, Missgunst) so deutlich auszudrücken. Um diese Gefühle glaubhaft vermitteln zu können, stehen am Anfang jeder Probe Entspannungs-, Lockerungs-, Mimik- und Ausdrucksübungen.

Im Jahre 2005 feierte die bühne 15 ihr 30-jähriges Bestehen.  In den vergangenen Jahren wurden u. a. Stücke von Molière, Sartre ("Die ehrbare Dirne", siehe Schwarz-Weiß-Bild), Hofmannsthal, Frisch, aber auch Kriminalstücke und Komödien, wie das „Gaslicht“ von Hamilton, „Ein ungleiches Paar“ von Neil Simon und „Treue oder der Hochzeitstag“ von Chazz Palminterie erarbeitet. 

Ein Gastspiel in Czaplinek, Bad Schwartaus polnischer Partnerstadt, empfanden die „bühnis“ als absolutes Highlight. 2002 erarbeitete die bühne 15 das „Gauklermärchen“ (Bilder unten) von Michael Ende. Die erfolgreiche Premiere fand im November 2002 im Museum statt. 

Wenn Sie auch Lust haben, mitzumachen (egal ob auf oder hinter der Bühne) melden Sie sich einfach bei Hannelore Witt,
Telefon-Nummer 0451 / 296 18 22


Bitte beachten Sie auch die Internet-Seite vom Theater Fabelhaft, mit dem wir eng zusammen arbeiten: http://www.theater-fabelhaft.de


VOLKSHOCHSCHULE BAD SCHWARTAU

Die weiteren Kursangebote der Bad Schwartauer Volkshochschule erfahren Sie unter www.VHS-Bad-Schwartau.de.

 

202-01

„bühne 15“ -Theater der Volkshochschule Bad Schwartau

Leitung:

Frau Hannelore Witt

Probenabend:     

Montag, 19.30 Uhr

Ort:

Grund- und Hauptschule Rensefeld, Pausenhalle, Eingang Mittelstraße 


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Ralph Glomp



(c) 2000 - 2009 by Ralph Glomp / bühne 15

                   Ihr Blick zeigte mir, was sie von mir hält. Geringschätzig schaute sie an mir rauf und runter. (Sie spielt runter, wie nahe ihr das geht.) Aber das bin ich schon gewohnt. Die Männer lieben mich und die Frauen hassen mich.

                   (Ihr fällt etwas ein.) Weißt Du noch, wie wir beide Arm in Arm an der Strandpromenade entlang gingen? Unsere Lippen konnten sich nicht voneinander trennen. Wir beide waren etwas ganz Besonderes und alle schauten uns neidisch hinterher.

                   (Ein Plädoyer für die Liebe.) Dabei ist Liebe so etwas Schönes, dass jeder sie erleben sollte. Wir können doch nichts dafür, wenn die Menschen um uns herum nicht das gleiche fühlen.

                   (Gesellschaftskritisch.) Aber wir leben ja in einer Neidgesellschaft. Jeder soll hart arbeiten und sich nicht amüsieren. Und Sex ist sowieso nur zum Zweck der Fortpflanzung erlaubt. (Sie stemmt die Hände in die Hüften.) Wo kämen wir denn da hin, wenn Sex auch noch Spaß macht?

                   (Sie sackt resignierend in sich zusammen.) Ich habe diese Spießer um uns herum so satt. Alles muss nach Schema „F" ablaufen. Wer Single ist, den fragt man nach spätestens sechs Monaten, wann er sich endlich wieder verliebt.

                   Wer einen Freund oder eine Freundin hat, bei dem erkundigt man sich etwa zwei Jahre nach dem Kennen lernen, wann denn die Hochzeitsglocken läuten.

                   Wer verheiratet ist, von dem möchte man nach den Flitterwochen wissen, ob schon Nachwuchs unterwegs ist. Und wenn jemand ein Kind bekommt, so wird nach spätestens zwei Jahren gefragt, für wann das nächste in Planung ist.

                   Für jede Lebensphase gibt es eine bestimmte zeitliche Abfolge. Unterschreitet man sie, hört man: "Na, wenn das mal gut geht!" Überschreitet man sie, erhöht sich lang-sam, aber sicher der Druck.

                   Die Folge: Es wird ungemütlich. Und je länger man ausharrt, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass sich die einstigen Pläne und Vorstellungen deformieren: Der ewige Junggeselle kommt dann endlich unter die Haube und die selbstbewusste und selbständige Frau wird in Weiß zum Altar geführt.

                   Mich erdrückt dieser wachsende Zwang zur Anpassung. Es tut dem Selbstwertgefühl offenbar gut, mit den Wölfen zu heulen. Oder mit den Schafen zu blöken.

                   Warum ist das so? Was weckt die Sehnsucht, zur Mehrheit zu gehören? Warum haben wir Angst, gegen den Strom zu schwimmen?

                   Und: Wäre die Welt besser, wenn mehr Menschen aus der Reihe tanzen würden?

                   (Flehentlich.) Ich möchte so gerne den ganzen Zwängen entrinnen und mit Dir irgendwo hin gehen, wo uns keiner kennt. Wo das Wetter schön ist. Wo man das Leben genießen kann. Wo keine Spießer sind. Spießer in Feinrippunterwäsche oder knielangen Boxershorts aus Baumwolle.

 

 

 

2. Szene

 

Valtero (W) kommt aus dem Nebenzimmer herein. Er trägt Socken, knielange Boxershorts und ein exakt gebügeltes Oberhemd. Während er sich die Krawatte bindet, durchschreitet er langsam den Raum.

 

W                Ich weiß gar nicht, worüber Du Dich beschwerst. DU hast ja nicht den Fehler gemacht und geheiratet. Du bist frei und kannst in den Tag hinein leben, wie es Dir gefällt. Niemand ist da, der Dir sagt, was Du tun oder lassen sollst.

                   Sex? Keine Pflichtübung für Dich, sondern immer die Kür und das Highlight des Tages. Wie möchtest Du es gerne haben? Bist Du heute dominant oder willst Du Dich unterwerfen? Oral, anal oder vaginal?

                   Für mich ist es nur das tägliche „rein und raus". Naja, inzwischen kann man auch in Wochen rechnen. Kein Ausprobieren mehr. Nichts Neues. Kein Kribbeln, keine Nervosität. Einfach abarbeiten und abhaken.

                   Ich war männlich, verwegen, ich war frei und hatte lange Haare. Ja, ich!

                   Wir Männer sind gemütlich veranlagt. Wir werden von einem Nesttrieb gesteuert, wie er in der Tierwelt kein zweites Mal vorkommt. Wir haben den Schrebergarten, die Eckkneipe und die Business-Class erfunden, damit wir es überall schön heimelig haben. Dazu gehört auch die Junggesellen-Bude.

                   Ich zelebrierte die Unordnung, das Chaos. Keinen Pfifferling interessierte mich mein Äußeres. Heute bin ich ein überkorrekter Spießer, damals lebte ich auf versifften dreißig Quadratmetern.

                   Aus diesem Biotop „Junggesellen-Bude" werden wir Männer mit etwa Mitte zwanzig jäh herausgerissen, wenn wir zum ersten Mal in unserem Leben mit einer Frau zusammen ziehen. Als meine Junggesellen-Bude von der Faust der heterosexuellen Anziehung zerschmettert wurde, ereilte alle meine Freunde dasselbe Schicksal: Frauen, die in das Zusammenleben uns vorher völlig unbekannte Komponenten hereinbrachten.

                   Vor allem kalte, schneidende Vernunft: "Wieso einen ganzen Kasten Bier? Das trinken wir doch nie!" Früher kauften wir Lebensmittel stückweise im Spätkauf an der Tankstelle, jetzt bekommen wir Einkaufszettel an die Hand, die in der Reihenfolge der Warenregale im Verbrauchermarkt geordnet sind.

                   Vorbei ist es auch mit der Harmoniesucht, die wir aus der Männer-Bude gewöhnt waren. Zum ersten Mal stellen wir fest, dass man Probleme auch anders lösen kann, als sie vorm Fernseher auszusitzen. Wir lernen, dass es außerhalb der Junggesellen-Bude nicht zur Versöhnung reicht, dem anderen ein blutiges Steak zu braten.

                   Am gravierendsten aber ist das Ende der Gemütlichkeit. In der Junggesellen-Bude kamen Kumpels vorbei, "Hast Du `n Kasten Bier da?", heute haben wir Gäste.

                   Als Mann wirst Du plötzlich gezwungen, Dir Gedanken zu machen über Tischdecken, Menüabfolgen und Gesprächsstoff, wo früher die Pizza aus dem Karton alle drei Probleme auf einmal löste: "Mann, ist die Pizza heute wieder schmierig." - "Kannste laut sagen."

                   Meine Frau lernte MICH kennen, nicht umgekehrt. Sie stellte mir förmlich nach. Egal wo ich hinkam, sie war schon da. Das ist nun schon etliche Jahre her.

                   Damals war ich eingefleischter Motorradfahrer, trug nur schwarze Sweat-Shirts, ausgefranste Jeans und Bikerstiefel. Selbstverständlich hatte ich auch ein Outfit für besondere Anlässe. Dann trug ich ein schwarzes Sweat-Shirt, ausgefranste Jeans und weiße Turnschuhe.

                   So also lernte sie mich kennen. "Du bist mein Traummann. Du bist so männlich, so verwegen und so frei."

                   Mit der Freiheit war es alsbald vorbei, da wir beschlossen zu heiraten. Warum auch nicht, ich war männlich, verwegen, fast frei und ich hatte lange Haare. Allerdings nur bis zur Hochzeit.

                   Kurz vorher hörte ich sie sagen: "Du könntest wenigstens zum Frisör gehen, schließlich kommen meine Eltern zur Trauung."

                   Stunden, nein Tage später und endlose Tränen weiter gab ich nach und ließ mir eine modische Kurzhaarfrisur verpassen, denn schließlich liebte ich sie, und was soll's, ich war männlich, verwegen, fast frei und es zog auf meinem Kopf.

                   Und ich war soooo lieb. "Schatz, ich liebe Dich so wie Du bist", hauchte sie. Das Leben war in Ordnung, obwohl es auf dem Kopf etwas kühl war.

                   Es folgten Wochen friedlichen Zusammenseins, bis meine Frau eines Tages mit einer großen Tüte unter dem Arm vor mir stand. Sie holte ein Hemd, einen Pullunder - bei dem Wort läuft es mir schon eiskalt den Rücken runter - und eine neue Hose hervor und sagte: "Probier das bitte mal an."

                   Tage, Wochen, nein Monate und endlose Papiertaschentücher weiter gab ich nach und trug Hemden, Pullunder - ärrrgh - und Stoffhosen. Es folgten schwarze Schuhe, Sakkos, Krawatten und Designermäntel. Aber ich war männlich, verwegen, todchic und es zog auf meinem Kopf.

                   Dann folgte der größte Kampf. Der Kampf um's Motorrad. Allerdings dauerte er nicht sehr lange, denn im schwarzen Anzug, der ständig kneift und zwickt lässt es sich nicht sehr gut kämpfen. Außerdem drückten die Lackschuhe, was mich auch mürbe machte. Aber was soll's, ich war männlich, spießig, fast frei, ich fuhr einen Kombi und es zog auf meinem Kopf.

                   Mit den Jahren folgten viele Kämpfe, die ich allesamt in einem Meer von Tränen verlor. Ich spülte, bügelte, kaufte ein, lernte Deutsche Schlager auswendig, trank lieblichen Rotwein und ging sonntags spazieren. Was soll's, dachte ich, ich war ein Weichei, gefangen, fühlte mich scheiße und es zog auf dem Kopf.

                   Es ist doch nicht umsonst so: Die meisten würden ihren Partner nicht noch einmal heiraten. Sie hatten sich damals so entschieden, weil ein Kind unterwegs oder ein Hauskauf geplant war. Oder wegen der Hochzeitsfeier und der Geschenke.

                   Fragt man sie später, gab es immer jemand anderen, mit dem sie besseren Sex hatten.

                   (Er zieht sie von ihrem Stuhl hoch und umarmt sie von hinten. Seine Stimme ist jetzt ganz zärtlich.) Und deshalb bin ich so glücklich, dass ich Dich gefunden habe. Wenn ich mit Dir zusammen bin, bin ich der glücklichste Mann der Welt. Wir können stundenlang reden, wir haben die gleichen Interessen und der Sex mit Dir ist göttlich.

                   (Er dreht sie zu sich herum und streichelt ihr die Wange.) Regxino - meine Königin. (Er küsst sie.)

R                Dann lass uns gemeinsam weggehen von hier. Verlass Deine Frau. Sie ist nicht gut für Dich.

W                (Er wendet sich ab.) Das kann ich nicht.

R                (Angriffslustig.) Kannst Du nicht oder willst Du nicht?

W                (Er windet sich.) Regxino...


 

R                Deine Königin, ich weiß. Du hast doch mit ihr nichts mehr gemeinsam. Das hast Du doch selber gesagt.

                   (Sie ändert die Taktik.) Ich werde mich hüten, sie schlecht zu machen. Niemand prägt die Entwicklung eines Mannes so nachhaltig wie die Frau an seiner Seite.

                   Ich mag mir kaum vorstellen, was Du heute für ein Mann wärst, wenn Du Deiner Frau nicht begegnet wärst. Wahrscheinlich würdest Du noch weiße Tennissocken tragen, könntest die Waschmaschine nicht bedienen und würdest Migräne für eine Fischart halten.

                   Eventuell würdest Du auch noch Dolly Buster als Charakterdarstellerin bezeichnen und fest daran glauben, der G-Punkt sei der Wartebereich eines Flughafens.

                   Denn eines ist klar: So sehr Gene, Elternhaus, Schule und das soziale Umfeld Dich als Mann geprägt haben, den entscheidenden Einfluss hatten Deine Freundinnen und nicht zuletzt Deine Frau. Ohne sie hättest Du einiges im Leben verpasst.

W                Was meinst Du denn? (Er zieht sich die exakt über die Stuhllehne gelegte Hose an und schnürt anschließend die akkurat unter dem Stuhl abgestellten Schuhe zu.)

R                Sex, zum Beispiel. Sollte ich jemals die Gelegenheit haben, werde ich mich bei ihr bedanken. Vor allem dafür, dass sie aus Dir den Mann gemacht hat, in den ich mich verliebt habe. Wäre ich in der Abfolge früher an die Reihe gekommen, wären wir heute nicht ein Liebespaar. Weil Du damals noch gar nicht reif für mich gewesen wärst! Dafür war sie gut genug.


 

                   Außerdem weißt Du durch sie, was Dir an ihr fehlt und was Du bei mir bekommst.

                   Es ist ja nicht so, dass es keine interessanten Männer auf dem Markt gäbe. Im Gegenteil, sie laufen überall herum. Gutes Gesicht, gute Figur, guter Anzug. Und reden können sie auch.

                   Die Anfänge mit ihnen sind eigentlich immer toll, das Dumme ist nur: Das Ende ist niemals fern. Es kommt oft dann, wenn die Liebe, die Beziehung, das Ding oder wie sonst man es nennt, ernst zu werden droht.

                   Nein, der Zeitpunkt für etwas Festes sei noch nicht gekommen. Nö, er brauche noch ein bisschen seine Freiheit. Nee, er wolle seine Gefühle nicht diesem Ehealltag unterwerfen. Vielleicht später. Ja doch, ganz bestimmt später. Später kommt allerdings nie.

                   Sind also die Männer an allem schuld? Bindungslos, haltlos, kinderlos - und die letzte Freundin gerade wieder los.

                   Und trotzdem ist der richtige irgendwie nicht dabei: Zu klein, das Haar ist zu schütter, er spricht diesen komischen Dialekt, hat einen komischen Beruf, komische Freunde, das falsche Auto. Nö, der nicht. Ein anderer muss her. Ja doch, ganz bestimmt kommt ein ganz toller Typ.

                   (Resigniert.) Glaub mir, er kommt nie. Ich bin ja nur das Verhältnis. Nichts zum Heiraten. Die Lage auf dem Singlemarkt ist unübersichtlich geworden. Die eine sucht Mr. Right, denkt, sie hat ihn am Knei-pentresen gefunden und winkt nach der ersten Nacht dankend ab. Die andere will nur einen One-Night-Stand und verstrickt sich in eine jahrelange Beziehung, die nie wirklich zu leben beginnt, aber auch nicht stirbt.

                   So gehen die Jahre ins Land. Auf das Bauchgefühl kann man sich längst nicht mehr verlassen. Zu viele Fehleinschätzungen. Zu viele Enttäuschungen.

                   Dass es die Geliebte gibt, wird gesellschaftlich gerne übersehen. Dass wir lieben und auf vieles verzichten, wird uns kaum zugestanden. Wollen die heimlichen Geliebten eine Ehe zerstören?

                   Ich hatte gehofft, es würde mir nichts ausmachen zu warten. Manchmal bin ich eifersüchtig auf Deine Frau. Wie oft hast Du von Trennung gesprochen, wie oft hast Du gekniffen und bist nach den schönen Stunden mit mir zu ihr nach Hause gegangen, als sei nichts gewesen.

                   Du hast es Dir nett eingerichtet zwischen Deiner Ehe und mir. Du betrügst nicht nur Deine Frau, sondern auch mich. Ein untreuer Mann genießt die Vorteile beider Beziehungen. Die Ehefrau bietet ihm ein Zuhause, bei der Geliebten fühlt er sich jung und begehrenswert. Mit ihr kann er unbeschwerte Stunden verbringen, ohne häusliche Probleme. Wie organisieren die Männer eigentlich ihren Gefühlshaushalt? Offenbar können sie sich besser als Frauen abgrenzen: Hier Familie, dort die Freundin.

                   Ich möchte nicht nur Gelegenheitsfrau sein, sondern ich will mich offen zu unserer Liebe bekennen, mit Dir Hand in Hand durch die Straßen gehen und Dich öffentlich küssen.

                   (Entschlossen.) Sieh doch der Wahrheit ins Gesicht. Ihr habt jung geheiratet, Euch aneinander gewöhnt und lebt heute die Marotten Eurer Eltern nach.


 

                   Ja, meine Freundin Jutta, die auch in so einer „glücklichen Beziehung" lebt, ging neulich mit ihrem langjährigen Lebenspartner Nils essen. Als es zum Nachtisch ging, warf Nils einen Blick in die Dessertkarte und bestellte sich Panacotta mit Himbeeren und Sahne. „Nils, das wirst du unmöglich aufessen."

                   Und dann erklärte mir meine Freundin am nächsten Tag: „Ich höre mich an wie die Mama. Wenn sie mit dem Papa redet." Und so seid Ihr. Ihr wisst alles voneinander und bestimmt über den anderen.

W                (Erstaunt und erbost.) Das stimmt doch gar nicht. Wie kommst Du denn darauf?

R                Das erzählst Du mir doch ständig. Ich bin Deiner Frau noch nicht ein einziges Mal begegnet und kenne sie in- und auswendig. Und deshalb flehe ich Dich an: Geh mit mir weg von hier, aus diesem Provinznest raus und wir beginnen gemeinsam ein ganz neues Leben.

W                (Versöhnlich, aber unverbindlich.) Ja, das machen wir... irgendwann. (Mit Blick auf die Uhr.) Jetzt muss ich los, sonst habe ich zuhause Erklärungsbedarf.

R                (Mit leerem Blick.) Ja. Du musst gehen. Du hast Recht. Ich bin nur das Verhältnis.

W                Regxino, das habe ich nicht gesagt.

R                (Frustriert.) Geh jetzt bitte.

W                (Hilflos.) Regxino...

R                (Sie zwingt sich zu einem Lächeln.) Geh jetzt, Du musst los. Bis morgen.

 

Sie schiebt ihn zum Bühnenrand, während der Vorhang sich schließt und verabschiedet sich mit einem gehauchten Kuss auf die Wange von ihm.


 

3. Szene

 

Scheinwerferlicht vor dem Vorhang. Valtero geht dort auf und ab und erzählt seine Gedanken. Es ist sein Heimweg.

 

W                Dass ich mich jetzt mit Regxino so gestritten habe, das macht mich richtig fertig. Mit Suzano, ja, mit der streite ich mich ständig. Aber nicht mit Regxino.

                   Sie hatte mich ja auch richtig unter Druck gesetzt. Ich soll mich von Suzano trennen. Wie stellt sie sich das vor? Suzano ist meine Ehefrau! Und Regxino ist mein Verhältnis!

                   Wenn ich mich von Suzano trenne, dann passt doch gar nicht mehr mein Verhältnis mit Regxino. Soll ich nur noch mit EINER Frau leben?

                   Natürlich können auch monogame Beziehungen glücklich machen, ich weiß. Aber ein gelegentlicher Seitensprung ist rein hormonell gar nicht vermeidbar. Natürlich ist es nicht okay, seinen Partner zu betrügen. Aber nur drei Prozent aller Säugetiere auf der Welt leben monogam. Drei Prozent!

                   Und offenbar ist auch die Spezies Mensch nicht dazu gemacht, treu zu sein. Männer schon mal gar nicht. Es ist nicht natürlich für einen Mann, seinen Samen, sein Fortpflanzungspotential, seine evolutionäre Duftmarke nur einer einzigen Frau zu widmen.

                   Trotzdem strebt die Menschheit diese Form der Beziehung an. Das ist eine Plage. Denn im Grunde impliziert so ein "Für immer" ja auch eine Menge "Nie wieders." Aber es ist auch ein Segen. Schließlich würde so ein Seitensprung ohne dieses moralische Dilemma halb soviel Spaß machen.


 

                   Biochemisch gesehen sind irgendwelche Hormone für die Lust im Gehirn verantwortlich. Körpereigene Drogen, die wie Aufputschmittel wirken. Im Zustand der Verliebtheit werden sie pausenlos produziert. Nach drei bis sechs Monaten sinkt der Pegel. Bei Frauen bleibt der Ausstoß dieser Liebesdrogen allerdings auf einem erhöhten Niveau, bei Männern sinkt er auf den Zustand vor der Verliebtheit zurück.

                   Daraus folgt die Bestätigung eines Klischees: Männer müssen fremdgehen. Müssen wild bleiben, Eroberungen machen, allein, um ihre hormonelle Ödnis zu überwinden und den Pegel wieder in den grünen Bereich zu bringen.

                   Und was ist mit den Frauen? Unschuldig, harmlos, total treu? Von wegen! Auch hier greifen die bösen, wilden Hormone das mühsam aufgebaute Zivilisationsgeflecht aus Erziehung, Ideal und moralischem Konsens an und verführen Frauen zu Dingen, die sie nicht mal ihrem Beichtvater offenbaren würden. Wo kommen denn sonst die ganzen Kuckuckskinder her?

                   Viele Frauen wagen einen Seitensprung gerade in der Zeit ihres Eisprungs, und fallen dann - offenbar hormonell angestachelt - vornehmlich mit Männchen in die Koje, die sich während der Balz an der Bar extrem dominant aufgeführt haben. Frauen werden also auch vom Fortpflanzungsgedanken ferngesteuert. Oder anders ausgedrückt: Das Evolutionspostulat macht vor Frauen nicht halt.

                   Nun ist es ja schön und gut, seine Gene möglichst breit zu streuen, aber die meisten von uns leben nun mal in einer durchschnittlichen Paarbeziehung. Schon das Wort klingt nicht nach Spaß, sondern nach Arrangement, nach Lebensform, nach verwalteter Emotion. Und in der Mechanik einer herkömmlichen Beziehung verbergen sich meist schon die ersten Schritte in Richtung Seitensprung.

                   Die kritische Zeit beginnt in der Regel nach dem ersten gemeinsamen Jahr. In diesem Stadium sinkt die Sex-Frequenz des Paars deutlich ab, und die Faszination voneinander ist im besten Fall einer gewissen Vertrautheit gewichen. Irgendwie ist dieses allumfassende Gefühl von Sicherheit routiniert geworden. An schlechten Tagen wird sogar der bisher so erfüllende Sex ein bisschen langweilig - selbst die Ausstattung eines Porsches prickelt nach 100 000 Kilometern eben nicht mehr an jeder Straßenkreuzung.

                   Man registriert dieses Gefühl eher widerwillig und sieht die daraus folgenden Probleme bereits am Horizont aufscheinen, doch noch versteckt man seinen latenten Überdruss hinter der Hoffnung, dass wir es hier nicht mit grundsätzlichen Problemen zu tun haben.

                   Stattdessen werden banale Scheingefechte an Nebenfronten entfacht: "Was SIE schon wieder für Schuhe trägt!" "Kann ER sich nicht mal beim Essen benehmen wie ein Mensch!" "IHRE Freundinnen sind dümmer als ein Toastbrot!" "SEINE politische Bildung ist so verkümmert, dass er Berlusconi für eine Nudelsorte hält."

                   Jeder dieser Sätze ist eine Brückenstrebe in die Freiheit, ein Argument und eine Rechtfertigung für den Wunsch, endlich einmal auszubrechen und sich in die Arme einer Person zu flüchten, die es wirklich wert ist.

                   Wir reden hier von einer Art mentalem Notwehrreflex, der erst der inneren Reinigung und später dann der äußerlichen Neuverschmutzung dienen soll. Denn nur über diesen mentalen Umweg ist es vor sich selbst zu rechtfertigen, den eigenen Partner zu betrügen und sich mal wieder von einer Person spiegeln zu lassen, von der man nicht mal das Geburtsjahr kennt.

                   Sicher, das ist ein ziemlicher psychologischer Aufwand für das bisschen Sex außerhalb der eigenen Partnerschaft. Aber so funktionieren Menschen eben, jedenfalls die meisten. Es mag Ausnahmen geben, für die so ein Seitensprung weder ein moralisches, noch ein organisatorisches Problem darstellt und die entweder in einer "offenen" Beziehung leben oder einfach nur stumpf und skrupellos sind.

                   Diese Menschen sind nicht zu beneiden, denn ihnen entgeht der Reiz des Fremdgehens - die Angst vor der Entdeckung nämlich, der Reiz des Verbotenen, das wilde, unzivilisierte einer solchen Grenzüberschreitung.

                   Wer sich jemals in einem kleinen Vorstadt-Hotel mit einem Menschen getroffen hat, von dem er noch nicht weiß, wie er nackt aussieht, wie er riecht, welche Knöpfe zu drücken sind und wie man das alles in fünfundvierzig Minuten herausfinden soll, weil einfach nicht mehr Zeit bleibt, so ein Mensch weiß, wie sich ein kleines, verschwiegenes Abenteuer anfühlt. Lebendig, wild und großartig nämlich, ein eingefrorener Moment in einem Universum, das keine Rechtfertigungen und keine Perspektiven kennt.

                   Wobei es ja nicht nur um den Akt als solchen geht. Schon der Flirt mit einer unbekannten Person, all die wild wuchernden Projektionen, die von dieser fremden Erscheinung aufgerufen werden, feuern die Lust am Seitensprung an. Es ist dieser aphrodisierende Mix aus archaischem Wollen und dem nie zu sättigenden Gefühl, selbst begehrt zu werden, der fremdgehen so reizvoll erscheinen und alle damit verbundenen Risiken vergessen lässt.

                   Natürlich müssen wir mit den Schuldgefühlen leben, mit dem Bewusstsein, die selbst gewählte monogame Lebensweise und das Vertrauensverhältnis zum eigenen Partner zu dekonstruieren. Wir müssen damit leben, auf Knopfdruck zu reagieren wie ein Pawlowscher Hund und Männchen zu machen, wann immer uns ein Signalreiz an die Fortpflanzung gemahnt.

                   Wir müssen damit leben, von Zeit zu Zeit die Kontrolle aufzugeben und aus unserer Deckung herauszukommen: Das ist der Preis für die gelegentlichen Ausbrüche in den emotionalen Wilden Westen. Die meisten von uns Männern zahlen ihn gern. (Der Vorhang öffnet sich, Valtero betritt langsam wieder die Bühne.)

                   Und dann kommen wir nach Hause in die gewohnte Umgebung zum geliebten Weib, bereit, wieder zu lügen, dass sich die Balken biegen, um unser kleines Geheimnis nicht preisgeben zu müssen. Aber darin sind wir ja Weltmeister.

 

 

 

4. Szene

 

Das gleiche Bühnenbild wie in der Anfangsszene. Allerdings sind jetzt an den Wänden und der Rückwand Neonröhren eingeschaltet, die im Raum einen sterilen und nüchternen Eindruck vermitteln. Zusätzlich wird blaues und grünes Scheinwerferlicht eingesetzt.

Suzano deckt den Tisch zum Abendessen. Dies geschieht mit Lustlosigkeit. Kein Lächeln wird ihr Gesicht erhellen. Valtero betritt die Bühne durch den sich öffnenden Vorhang.

 

S                 Du kommst spät. Ich hatte warmes Essen vorbereitet. Das ist jetzt verkocht. Ich habe es entsorgt. Jetzt gibt es Brot.

W                Ich hatte noch zu tun. Ein Kunde. Mit Schadensfall. Ich musste noch zum Kunden raus. Es war dringend. (Er setzt sich und beginnt zu essen.)

S                 Du weißt, wie sehr ich Kochen hasse. Ich habe mich stundenlang in die Küche gestellt. Dann habe ich das Essen warm gehalten. Zum Schluss war es ungenießbar.

W                Es war ein sehr wichtiger Kunde. Anweisung vom Chef. Kam vom Bereichsleiter. War eine Eskalation auf oberster Ebene.

S                 (Sarkastisch.) Dann ist der Chef Dir ja zu Dank verpflichtet. Ich nehme an, ER war rechtzeitig zum Essen zuhause. Wäre es nicht seinen Aufgabe gewesen, diesen SPEZIELLEN Kunden zu bedienen? Oder kann das niemand so gut, wie Du?

W                Möchtest Du mir irgendetwas sagen? Zum Beispiel, dass Du einen schönen Tag hattest?

S                 Mein Tag war die Hölle, danke der Nachfrage. Ich bin so froh, dass ich nur halbtags in diesem Kaufhaus ohne Tageslicht arbeite. Du kannst Dir das gar nicht vorstellen, in Deinem Licht durchfluteten Büro. Es ist, als ob ich in einen Stollen einfahre. (Sie stöhnt auf.)


 

                   Und dann diese furchtbaren Kunden. Ich weiß nicht, warum ich in der Unterwäscheabteilung arbeiten und diese aufgedonnerten Tussis bedienen muss. Es ist eigentlich selbstverständlich, aber ich muss immer wieder darauf hinweisen, dass Schlüpfer zum Anprobieren nicht direkt auf der Haut getragen werden dürfen. Ich höre mich schon an, wie eine Platte.

W                (Gelangweilt.) Ich weiß, und dass Unterwäsche vom Umtausch ausgeschlossen ist.

S                 Heute kam wieder so eine Person. Ich sah sofort, dass die es mit der Treue nicht so ernst nimmt. So der Typ "Schlampe", weißt Du? Sie steuerte zielstrebig auf mich zu.

                   Ich sah sie natürlich nicht, hatte genügend mit dem Zusammenlegen von Ware zu tun. Aber sie war hartnäckig und ließ sich von mir nicht täuschen. Eine ekelhafte Frau. Die Haare waren bestimmt gefärbt. Niemand trägt so ein aufdringliches Rot.

                   Und als sie näher kam, wurde ich fast ohnmächtig von diesem betäubenden Parfum. Das hat sie bestimmt bei einem dieser Verkaufssender im Fernsehen bestellt. Insgesamt war sie ziemlich nuttig. Du hättest mal ihren viel zu kurzen Rock sehen sollen. Wenn der nicht dazu gemacht war, die Männer anzulocken, dann weiß ich auch nicht.

                   Ich wusste schon, dass diese Frau zuviel redet. Es gibt wirklich nichts Unangenehmeres als Leute, die einem die intimsten Details aus ihrem Leben erzählen. Oder so laut sind, dass man nicht weghören kann.

                   Ich weiß noch, wie meine französische Austauschschülerin Isabelle, ein 1,80-Meter-Pferd mit fürchterlichen Schweißfüßen, mir praktisch gleich bei ihrer Ankunft offenbarte, dass ihre Eltern sie nur deshalb für ein paar Wochen weggeschickt hätten, weil sie ein Verhältnis mit ihrem 20 Jahre älteren Stiefbruder angefangen hatte, der ihr übrigens ganz erstaunliche Sachen beigebracht habe. Ein einfaches „Hallo" hätte mir als Begrüßung auch gereicht.

                   Die meisten Menschen teilen intime Details, weil sie glauben, sich interessant zu machen. Ein großes Missverständnis. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die peinlich offen und dabei hochunterhaltsam sind.

                   Diese Frau hat mich eine geschlagene Stunde belagert. Probierte dies an, mäkelte an jenem herum. Mit nichts war sie zufrieden. Ich hätte ihr fast gesagt: "Wissen Sie, so wie Sie aussehen, sollten Sie sich lieber etwas Anständiges anziehen."

                   Und als ich am Ende meiner Geduld war, klingelte auch noch ihr Handy. Ich wurde bleich wie die Wand, als sie den Mann am anderen Ende mit "Hallo Valtero" begrüßte. Ich habe mir vorgestellt, diese Frau verabredet sich mit Dir. Kannst Du Dir das vorstellen? Sie flirtete und lachte. Widerlich. Es ging mir richtig schlecht dabei. Und sie ließ kein Detail aus.

                   (Sie spricht jetzt ganz ruhig.) Ich habe mich geschämt, dass ich solche Gedanken hatte. Ich habe alle zur Seite geschoben und mir gesagt: "Mein Valtero ist mir treu." Zur Entschuldigung wollte ich Dich mit einem schönen Essen überraschen. (Ganz leise.) Und dann kamst Du nicht. (Kurze Pause.) Wo bist Du gewesen?

W                Ich habe Dir doch gesagt, bei einem Kunden einen Schadensfall regulieren.


 

S                 Ich habe in Deinem Büro angerufen, die wussten nichts von einem Schadensfall und Dein Handy war ausgeschaltet. Du brauchst mir also nichts vorzumachen.

W                Scheiße, bist Du misstrauisch. Das habe ich nicht von Dir geglaubt.

S                 Wir haben uns doch Regeln für's Zusammenleben aufgestellt! Warum hast Du mich nicht angerufen, dass Du nicht zum Essen kommst.

W                Regeln, Regeln! Das sind Deine Regeln. Und ich soll mich daran halten. Ruf mich an! Bring den Müll raus! Ich will jederzeit wissen, wo Du bist! Pinkel im Sitzen! Das kotzt mich an.

                   Halte Dich doch an MEINE Regeln! Lerne endlich mit dem Klositz zurecht zu kommen. Du bist ein großes Mädchen. Wenn der Sitz oben ist, klapp ihn runter. Ich brauche ihn oben, Du brauchst ihn unten. Ich beschwere mich auch nicht, wenn der Sitz unten ist.

S                 (Sie weiß nicht, wie sie es sagen soll.) Warst Du... Warst Du wieder... in der Spielhalle?

W                (Er ist erleichtert, dass das Gespräch diese Wendung genommen hat.) Ja, ich war wieder in einer Spielhalle und habe die Zeit vergessen. Ich hatte Dir versprochen, das Spielen zu lassen, aber es ist wie eine Sucht. (Er entzieht sich weiteren Vorwürfen, indem er in den Nebenraum geht und sich Sportsachen anzieht.)

S                 (Sie ruft ihm wütend hinterher.) Und deshalb riechst Du so wenig nach Zigarettenrauch und so viel nach Parfum?

W                (Aus dem Nebenzimmer.) Bin ich hier auf der Anklagebank? Eine andere Spielerin hat sich an mich rangemacht, aber ich habe sie abblitzen lassen. Zufrieden?

S                 (Sie beginnt, seine Sachen, z. B. seine Jacke zu durchsuchen. Sie nimmt sein Handy und schaut sich Nummern oder SMS an.) Warum hast Du mir das nicht gleich erzählt und mir diese Lügengeschichte aufgetischt?

W                Warum? Du siehst doch, wie Du reagierst. Wie hätte ich Dir die Wahrheit glaubhaft machen können? Du hättest doch alles, was ich sage, angezweifelt.

                   (Er geht zum Angriff über.) Und ich weiß auch gar nicht, was Du gegen ein gelegentliches Spielchen einzuwenden hast. Ich bringe das meiste Geld nach Hause, ich kann auch das Meiste ausgeben.

S                 (Ohne Energie.) Du hast Recht, Gib ruhig Dein Geld mit vollen Händen aus.

W                (Trotzig.) Das mache ich auch. Und jetzt gehe ich erst mal zum Sport.

S                 (Flehentlich.) Jetzt noch? Muss das wirklich sein? Du bist doch gerade erst nach Hause gekommen. Wir können es uns doch gemütlich machen. Auf der Couch, ein schönes Glas Rotwein, ein gemeinsamer Abend vor dem Fernseher.

W                (Laut aus dem Nebenzimmer.) Und wie üblich halte ich Dich, und Du hälst die Fernbedienung.

                   Das heißt, eigentlich halte ich Dich nicht, Du legst eher Deinen Oberkörper oder wahlweise Deine Beine auf mir ab.

S                 Das ist doch gemütlich.

W                Dann schaltest Du zwischen einem Hochzeits-Quiz, einer Sie-kriegt-ihn-sie-kriegt-ihn-nicht-Tele-novela und einer Gesundheitssendung hin und her. Da habe ich keine Lust drauf. Außerdem war ich diese Woche nicht beim Sport, weil wir einkaufen mussten und letzte Woche nicht, weil wir im Kino waren.

S                 Ich finde, Du übertreibst mit dem Sport. (Sie steckt sein Handy zurück.)

W                Das finde ich nicht. Und im Übrigen macht es mir auch noch Spaß.

S                 Wir verbringen kaum noch Zeit miteinander.

W                (Er kommt aus dem Nebenraum.) Da hast Du Recht. Und heute Abend auch nicht.

                   (Er schafft seinen Weg bis zum Bild, stutzt und hält an.) Was ist das denn? Wo hast Du denn dieses Bild her? Wo ist das andere?

S                 Ich habe mir den Luxus erlaubt und mir ein Bild gekauft. Vor einiger Zeit schon. Aber heute habe ich es aufgehängt. Ich sah das Bild in einer kleinen Galerie und habe mich verliebt. Es ist ein Original. Ein Einzelstück.

W                (Verwirrt.) Das... das kann nicht sein. Ich bin sicher, ich habe es schon einmal gesehen. Das ist noch gar nicht so lange her.

S                 Vielleicht hast Du es auch in der Galerie gesehen?

W                Nein, bestimmt nicht. Es hing an einer Wand wie dieser. Und ich könnte schwören, es war heute...

                   (Er will plötzlich weg.) Ist ja auch egal. Ich muss jetzt los. Bis später. Tschüss. (Er geht ab.)

S                 (Sie ruft ihm hinterher.) Valtero...


 

5. Szene

 

S                 (Noch ein bisschen aufgeregt, aber langsam wird sie ruhiger.) Wann war das eigentlich, als wir aufhörten, miteinander zu reden? Wann fing es an, dass jeder von uns immer öfter Überstunden machte? Wann hörten wir auf, Freunde einzuladen oder mit anderen fort zu gehen? Wie lange schon haben wir nichts mehr aus unserer täglichen Arbeit erzählt?

                   Wir haben viele gute Gewohnheiten aufgegeben. Ich war oft vor Valtero zuhause und habe bis spät Abends auf ihn gewartet. Vielleicht haben wir gedacht, unsere gegenseitige Zuneigung und das gute Einvernehmen blieben von selber aufrecht, wir müssten nichts für unsere Nähe und Verbundenheit tun.

                   Heute sehe ich das kritischer. Auch eine große Liebe will gepflegt sein, braucht Zeit, die anderswo abgeht. Damit sie bleibt und wachsen kann, braucht es Zeiten der Zuwendung, der Ruhe und Leidenschaft, ohne Termindruck. Und andererseits das gesellige Beisammensein mit Freunden und Familie. Und von Zeit zu Zeit ist es gut, zu hören, was den anderen gerade bewegt, und nachzuspüren, was als Nächstes ansteht.

                   (Ganz ruhig. Während sie spricht geht sie zum Telefon und wählt ganz langsam eine Nummer.) Er betrügt mich. Schade, dass er nicht dazu steht. Da gibt es eine Frau, die ihm Liebesbriefe und Päckchen schickt, auch ihre SMS sind immer so geschrieben, als wäre sie ihm so nah wie in einer Beziehung. Sie verwendet die selben Liebesworte wie ich. Darauf gekommen bin ich durch eine Urlaubskarte die sie ihm geschickt hat, die so formuliert war, als wäre sie frisch in ihn verliebt.

                   (In den Telefonhörer.) Ich bin's. Hast Du Zeit? Komm doch vorbei, ich muss mit Dir reden. (Sie lauscht einen Augenblick.) Das ist schön. Ich freue mich. Bis gleich. (Sie legt den Hörer auf und fährt im Erzählen fort.) Ich habe ihn darauf angesprochen und er sagte aber nur, sie sei eine gute Freundin und sie würde unsere Beziehung nicht gefährden.

                   Gut... ich gestehe, ich habe nun in alten Briefen von ihm geschnüffelt. Ich habe Briefe von ihr gefunden, die eindeutig belegen, dass sie sich auch sexuell über E-Mail und SMS und Briefe ausgetauscht haben.

                   Diese intensiven Briefe gab es auch vor meiner Zeit. Und er hatte schon früher viele andere Verhältnisse. Ich weiß, er versteht es hervorragend über Mitleid Frauen emotional an sich zu binden. Mir ging es ja genau gleich. Ich bin ihm auch regelrecht verfallen. Er ist ein sehr liebenswerter sanfter, romantischer Mann, dem man eigentlich so etwas gar nicht zutraut und der eigentlich auch keinem weh tun will. Doch genau dadurch gerät er oft in Situationen, wo er dann gleich mehreren weh tut durch seine Unfähigkeit klare Fakten und Grenzen zu schaffen.

                   (Sie holt sich sexy Kleidung und zieht sich während des Sprechens um.) Wir haben uns früher sehr viel voneinander erzählt, ich wusste auch von seinen Verhältnissen. Ich weiß schon, dass er mich liebt, aber ich glaube ich liebe ihn viel mehr.

                   Wir haben geheiratet. Dann kam das Internet. Ich wunderte mich darüber, dass er stundenlang und vor allem Nachts online war, ich hab ihn darauf angesprochen und er hat mir Geschichten erzählt über die Themen, nach denen er surft.

                   Nun gut, das habe ich geglaubt, aber das komische Gefühl ging nicht weg. Als ich mal an seinem Rechner arbeiten musste, fand ich einen Ordner mit Fotos einer Frau. Ich hab ihn wieder darauf angesprochen und er sagte, es sei eine nette Bekannte, die er schon lange kennt, es hätte nichts zu bedeuten. Ich hab ihm wieder geglaubt. Irgendwie kamen immer mehr Indizien zusammen, auf die ich ihn immer ansprach. Er hat mich dann immer beruhigt und mir erzählt, es würde ihm weh tun, wenn ich so misstrauisch wäre.

                   Ich zweifelte an meinen Wahrnehmungen und hatte wirklich das Gefühl, ich werde paranoid. Das war der Grund, warum ich in der Sylvesternacht seinen PC anschaltete und nachsah. Ich fand Unmengen an erotischen Chats mit zig Frauen. Aber das waren keine billigen Sex-Chats, das waren virtuelle, intensive Beziehungen... die Chats endeten mit: Schlaf schön Süße, ich schleich mich gleich im Traum zu Dir!

                   Seine Träume müssen fürchterlich überfüllt gewesen sein. Ich war so unglaublich verletzt, weil ich mir gewünscht hätte, dass er diese Dinge mal zu mir sagt. Aber irgendwie konnte ich wieder meinen Wahrnehmungen trauen. Mit mir selbst ging es mir besser. Ich hab ihn geweckt und ihm gesagt, was ich getan hab. Er hat unwirsch reagiert... keine Entschuldigungen... keine Erklärungen.

                   Fast vier Wochen später, nachdem wir einige Male darüber geredet haben, sagt er, er liebe nur mich, das sei alles Spaß und Neugier gewesen und ich solle ihm wieder vertrauen. Aber er hat mir doch ohne mit der Wimper zu zucken ins Gesicht gelogen!

                   Ich liebe ihn sehr und ich hatte einen tollen Traum von unserer Liebe. Der Traum ist beschmutzt und ich frage mich: Was bedeutet Männern so etwas? Kann man solche Dinge vergessen? Ich höre immer seine Worte, sehe vor mir die Erotik und die Zärtlichkeiten, die er mit diesen Frauen geteilt hat.

                   Nun ja, man könnt sagen: Alles nicht so wild, manche Männer brauchen halt ständige Kicks. Aber bei ihm scheint das suchtartig zu sein.

                   Wir hatte uns arrangiert. Lebensgemeinschaften sind ja auch Lebensbewältigungsgemeinschaften. Und mit der Zeit ergeben sich da notwendiger- und natürlicherweise gewisse Muster: Einer erledigt die Geburtstagskarten, der andere die Werkstatttermine fürs Auto, einer korrespondiert mit dem Steuerberater, der andere besorgt die Karten für's Theater, einer ist für Beschwerden aller Art zuständig, der andere fürs Tanken; der eine stellt zehnmal am Tag die Frage: "Wie sehe ich aus?", der andere beantwortet sie immer mit: "Umwerfend!"

                   Kommt Ihnen das bekannt vor? Es ist ja egal, ob es nun Karten für Schwanensee oder die Berliner Philharmoniker sind, der Dialog ist trotz strikter Rollenaufteilung immer der Gleiche: "Hast du die Karten?" "Ich dachte, du hättest sie." "Wieso ich?" "Du fährst achtzig. Du kannst hier hundert fahren." "Ich fahre immer achtzig." "Bei dem Tempo müssen wir aufpassen, dass wir die Ausfahrt nicht verpassen."

                   Nachts zeigt sich, ob zwei Menschen ein perfektes Paar sind. Denn nicht das Zusammenleben ist das Schwierigste an einer Beziehung, sondern das Zusammenschlafen.

                   Hühner haben es gut. Für die haben Tierschützer längst Verordnungen erstritten, die zentimetergenau festlegen, wie artgerechte Haltung aussieht.

                   Und werden Gefangene in überfüllten Gefängnissen auf engem Raum zusammengepfercht, schreitet zu recht Amnesty International ein. Nur die weitaus größte Gruppe geschundener Kreaturen verfügt über keine Lobby: Milliarden Menschen müssen für rund ein Drittel jedes Tages mit maximal vier Quadratmeter Lebensraum auskommen. Zu zweit!

                   Gut - sie haben dieses Schicksal selbst gewählt. Nicht selten etwas unbedacht, aber immer freiwillig. Und vielleicht ist auch der eingangs gezogene Vergleich ein wenig überspitzt. Aber: Jeder, der kein dauerhaftes Singledasein lebt, kennt die heimliche Vorfreude auf die nächste Geschäftsreise des geliebten Partners. Das abendliche Glücksgefühl, endlich wieder einmal allein im Bett zu liegen. Ohne mehr oder weniger laute Atemgeräusche aus der unmittelbaren Umgebung, ohne Ellbogen- und Kniestöße des im Schlaf um sich selbst rotierenden anderen. Dafür liegt man endlich, sich genüsslich ausbreitend, auf der Diagonalachse der Matratze statt, wie üblich, ganz am Rand.

                   Sich dieses Glücksgefühls zu schämen ist völlig unangebracht. Natürlich gibt es viele Menschen, die sich danach sehnen, einen Partner zu finden, neben dem sie einschlafen können. Und natürlich haben die es nicht leicht.

                   So viel schwerer andererseits aber auch nicht. Denn jeder denkende und reflektierende Mensch kommt früher oder später zu der Erkenntnis: Nicht das Zusammenleben ist das Schwierigste an einer Beziehung, sondern das Zusammenschlafen.

                   Schlaflos im Bett liegen übrigens wesentlich häufiger Frauen als Männer. Das ist vermutlich evolutionsbiologisch begründet: Die Nacht paarweise mit dem Partner zu verbringen ist für Frauen noch relativ neu. Für Männer natürlich ebenso, aber bei denen hat die Vergangenheit weniger Spuren hinterlassen.

                   In frühmenschlichen Gemeinschaften nämlich schlief man in Gruppen. An der Seite der Frau lag nicht etwa der Gatte, sondern das jüngste Baby, über dessen Schlaf sie wachte.

                   Heute hat der Mann den Platz dieses Babys übernommen. Was in einigen Fällen sicherlich schon ob des Anblicks nicht förderlich für guten Schlaf ist. In der Regel aber fühlen sich Frauen instinktiv nächtens weiterhin in der Mutterrolle. Liegen wach, bis das Riesenbaby an ihrer Seite sanft schlummert. Und wecken es nicht einmal dann, wenn sein Atemgeräusch infernalische Dimensionen erreicht. Frauen sind sehr zögerlich, wenn es darum geht, einen Schnarcher neben sich zu wecken. Männer sind da gnadenlos.

                   Im Gegensatz zum Huhn können wir über unsere artgerechte Haltung selbst bestimmen: Getrennte Schlafzimmer!

 

 

 

6. Szene

 

Es klingelt. Suzano geht zur Tür und lässt Alekso herein. Die beiden fallen sofort übereinander her und umarmen und küssen sich.


 

A                Sanne, Du hast mein Flehen erhört, dass ich Dich heute noch unbedingt sehen muss, damit wir diesen strahlenden Tag mit einem besonderen Höhepunkt besiegeln.

S                 (Mit einem Lachen.) Was erzählst Du denn da?

A                Ich habe davon geträumt, mit einem Schlag den Zickzack-Blitz zu bezwingen.

S                 Alekso! Wovon redest Du denn?

A                Minigolf! Ein Ausflug auf den Minigolfplatz ist wie eine Reise in die Kindheit. Inmitten von bröckelnder 60er-Jahre-Architektur lässt es sich wunderbar entspannen.

                   Erinnerungen an die Orte, an denen man als Kind seine Sommer zugebracht hat, sind wie Polaroid-Fotos: Je älter sie sind, desto mehr scheinen die Farben auszubleichen.

                   Badeanstalten haben irgendwann nur noch ein ausgewaschenes Türkis, Eisdielen ein mattes Hellbraun. Und Minigolfplätze so ein helles Rot und Grau. Aber es ist nicht die Erinnerung, diese Orte sahen und sehen tatsächlich so aus. Man muss nur mal wieder hingehen.

                   Was ist Deine Lieblings-Eissorte?

S                 (Sie lacht.) Eissorte? Ganz klar: Vanille.

A                Vanille? Ich könnte mich durch die ganze Eistheke schlecken. Beim Stracciatella-Eis liebe ich es, mit meiner Zunge nach Schokostücken zu suchen. Banane ist exotisch. Und die Säure des Zitroneneises auszuhalten kostet mich lustvolle Überwindung.

                   Vanille ist langweilig. Sie eckt nicht an. Sie bietet keine Überraschungen. Sie umweht keine Aura von weiter Welt. Vanille, das ist für mich so etwas wie die Mutter, die Erwachsene unter den Eissorten. Vernünftig. Treu. Sicherheit bietend. Und immer, wenn man sie braucht, vorhanden.

                   Eisschlecken ist auch so eine Zeitreise in die Kindheit, findest Du nicht? Wenn man schleckt, ist man nicht erwachsen. So wie beim Minigolf spielen. Ich stelle mir das herrlich vor: Die Bahnen bröckeln in Hellgrau, ihre Metallbegrenzungen sind in mattem Rot gehalten, ebenso die Sitzbänke und die Mülleimer mit dem Logo dieser Eisfirma.

                   Von oben brennt die Sonne, ringsum rauscht der Wind in den Bäumen, von weitem rauscht der Verkehr. Und aus einer Holzhütte reicht ein wortkarger Unterhemdträger Schläger, Bälle und Eis. Dazu gibt es Plastik-Klemmbretter, Notizzettel aus rauem Papier und Bleistifte. Alles wie damals, nur dass wir uns damals noch nicht kannten. Wäre das nicht wunderbar?

S                 Jetzt?

A                Nein! Jetzt wird erst mal eingelocht!

 

Er macht eine eindeutige Bewegung mit der Hüfte. Das Licht geht aus.

 

PAUSE


 

7. Szene

 

Das Licht geht an. Suzano und Alekso stehen mit einer Bettdecke umschlungen auf der Bühne. Sie sind leichter bekleidet als zuvor, sie hatten Sex. Alekso steht hinter Suzano, umarmt sie dabei von hinten und hält vorne die Decke zusammen. Dabei zeigt er ihr angedeutet Minigolf.

 

A                Ich hab Dir doch gesagt: Mit der richtigen Körperhaltung lässt sich trotz schlechter Bälle einiges reißen: locker in den Knien, den Oberkörper in der Hüfte nach vorn gebeugt, die Hände übereinander am oberen Ende des Schlägers. Bei Rechtshändern die linke oben, die rechte unten, bei Linkshändern umgekehrt. Eine gedachte Linie soll von einer Fußspitze zur nächsten und dann zum anvisierten Ziel zeigen. Dann konzentrieren. Und gleichmäßig aus der Schulter schlagen. Lieber zu langsam als zu schnell.

                   (Er nimmt die Arme unter der Decke hervor, die Decke fällt.) Das ist auch schon das ganze Erfolgsgeheimnis beim MINIGOLF, neben viel Übung natürlich. (Beide lachen albern.)

S                 (Sie versetzt ihm einen Boxhieb und lacht.) Blöder Kerl!

A                Mit etwas Konzentration und der richtigen Strategie verlieren schließlich auch schwierige Bahnen ihren Schrecken. Die fiese mit der Rampe und dem Fangnetz zum Beispiel: Einfach nur den Ball beim Schlag ein bisschen anlupfen und einmal mit Schwung gegen die Rampe knallen lassen. Dann fliegt er praktisch von allein ins Netz.


 

                   Oder der Zickzack-Blitz: Einmal scharf rechts gegen die Bande spielen, dann rollt der Ball quer durch die Enge nach links, prallt kurz vor Schluss noch mal gegen die Bande und landet direkt im Loch.

                   Wenn der Ball dann das Loch aus eigener Kraft nicht mehr verlassen kann, dann rauschen ringsum die Bäume und der Verkehr wie zum Applaus. Und innen drin macht sich dieses kindliche Glücksgefühl breit. Wie damals.

S                 (Sie lacht wieder.) Du bist echt bescheuert. (Sie wird wieder ernst.) Danke. Das habe ich echt gebraucht, dass ich heute noch einmal mit Dir lachen kann. Ich bin Dir wirklich dankbar, dass Du Dich mit mir hässlichem Entlein eingelassen hast.

A                Das ist Blödsinn, was Du da sagst. Ich bin dankbar, dass Du Dich mit mir einlässt. Ich lebe in den Tag hinein, habe kein geregeltes Einkommen. Ich bin genau das, wovor mich meine Eltern immer gewarnt haben.

S                 Und das ist es, was ich an Dir so liebe. Du bist so Lebens bejahend, so frei. Und ich bin so verkorkst.

A                Das bist Du nicht. Manche Blumen entfalten ihren wahren Charakter erst, wenn der Tag dem Abend weicht. Es gibt Geschöpfe, die erst bei Einbruch der Nacht ihren ganzen Reiz zeigen. Das ist bei Pflanzen nicht anders als bei Menschen. Viele Blumen zeigen zwar schon tagsüber ihre Pracht, verströmen aber erst zur Dämmerung wundervollen Wohlgeruch. Andere scheuen das grelle Sonnenlicht ganz, öffnen sich erst am frühen Abend, um dann mit herrlichen Blüten und üppigem Duft zu verzaubern.


 

                   So poetisch wie ihr Name, so süß ist der Duft der Mondviole. Nicht nur Mondsüchtige genießen den fliederähnlichen Duft der weißen oder zartlila Blüten, der schon nachmittags unverkennbar durch den Garten weht.

                   Düfte sind sinnlich, verführerisch, ein erotisches Ingredienz, und nachts wirken sie besonders anregend. In Südamerika glaubt man, dass der Duft der Engelstrompete einschläfere und heftige erotische Träume erzeuge.

S                 (Sie lacht.) Also, wenn ich Dich mal sinnlich nachhaltig beeindrucken will, dann lade ich Dich in romantischer Vollmondsommernacht zur Führung im duftenden Garten ein.

                   Ach Alekso, Du bist mein Traummann. Du bist so männlich, so verwegen und so frei. Ich wünschte, Valtero wäre auch mal so romantisch.

A                (Leicht gekränkt.) Warum vergleichst Du mich jetzt mit ihm. Das ist nicht fair.

S                 Da hast Du Recht. Tut mir leid. Und trotzdem muss ich jetzt an ihn denken. Ich habe immer versucht, ihn zu verstehen und so zu nehmen, wie er ist. Und ich weiß, dass es auch für Männer nicht leicht ist, sich auf eine Beziehung einzulassen.

                   Bevor wir heirateten, hatten wir uns nur sehr wenige Gedanken gemacht, wie wir die Arbeit aufteilen würden. Ich hatte die größere Wohnung, so zog er bei mir ein. Er nahm an, dass ich das Kochen übernehmen würde, da ich oft leckere Sachen bereitete, wenn er mich besuchte.

                   Ohne dass wir es abgesprochen hatten, fühlte ich mich sehr schnell für den kleinen Haushalt und Valteros Wäsche zuständig, die er bisher seiner Mutter gebracht hatte. Dafür erwartete ich aber, dass Valtero etwas kocht, wenn ich länger arbeiten musste als er. So, wie ich es im umgekehrten Fall selbstverständlich auch tat.

                   Valtero fühlte sich überfordert. Seine Mahlzeiten hatte er früher dem Zufall überlassen, ging zu seinen Eltern oder in eine Pizzeria. Wir hatten beide recht unterschiedliche Bilder von einem Leben zu zweit: Valteros persönliches Paar-Leitbild orientierte sich an der Ehe seiner Eltern. Ich strebte eine gleichberechtigte Partnerschaft an und legte viel Wert auf Ordnung. Valtero wurde es ungemütlich in dem neuen Umfeld. Er zog sich zurück.

                   (Sie atmet durch.) Ein Mann muss nach der Geburt noch genau zwei Mal in seinem Leben einen wärmenden, schützenden Schoß verlassen. Das erste Mal, wenn er sein Kinderzimmer räumt. Das zweite mal, wenn er seine kuschelig-miefige Junggesellen-Wohnung verlässt, um mit einer Frau zusammenzuleben.

                   Für viele Männer ist dieser Schritt wahrscheinlich das wahre Geburtstrauma. Denn seine erste Wohnung war ein friedlicher, idyllischer Ort, eine arkadische Landschaft aus verstreuten Tennissocken, Bundesliga-Stecktabellen, getrockneten Zimmerpalmen und Playmate-Plakaten. Der Schock ist groß, wenn die Männer aus diesem Paradies vertrieben werden.

A                Naja, das musst Du verstehen. (Er denkt kurz nach.) Vielleicht lässt sich die erste Männer-Wohnung am besten anhand ihres spirituellen Mittelpunktes erklären. Es ist der Bierkasten. Oder, richtiger: Die Kästen Bier.


 

                   Ganz egal, ob aus diesen getrunken wird, oder nicht, es geht immer darum, "einen Kasten Bier im Haus zu haben". Dieser Kasten Bier ist der augenfällige Beweis einer grundehrlichen, geradezu Bauarbeiterhaften Bodenständigkeit, die Männer sich trotz lahmer Schlipsträger-Jobs bewahrt haben. Ein Mann braucht einen Bierkasten, um einem anderen Mann seine Zuneigung auszudrücken: "Komm doch mal vorbei, ich habe auch `n Kasten Bier im Haus."

                   Der Kasten dient außerdem als Legitimation aller möglichen Aktivitäten, die ohne ihn ziellos, ja läppisch erscheinen würden: "Dann trommeln wir ein paar Leute zusammen, schnappen uns einen Ball, gehen in den Park, und wir bringen einen Kasten Bier mit."

                   Zum Kasten Bier gehören in der Männer-Wohnung zahlreiche Rituale, etwa das, keinen Flaschenöffner zu haben, um die Flasche wortlos mittels Feuerzeug, Rohrzange, Tischkante oder am Kasten selbst zu öffnen - wobei die letzte Variante sicher die schönste ist, der Kasten Bier als vollkommenes geschlossenes System. Kein Wunder übrigens, dass man Männer, die lange allein gelebt haben, oft an einer Kronkorkenförmigen Narbe unter der Fußsohle erkennt.

                   Mit dem Kasten Bier, dessen Bedeutung gar nicht zu überschätzen ist, hängt ein anderes Männer-typisches Phänomen zusammen. Was den Protestanten ihr Kirchentag, den Ravern ihre Love-Parade, den Telekom-Aktionären ihre Hauptversammlung, das sind den ALLEIN lebenden Männern die internationalen Fußballturniere EM und WM: ein großes sinnstiftendes GEMEINSCHAFTS-Erlebnis.


 

                   Allein das Bewusstsein, dass es sich zur selben Zeit Millionen andere genauso mit Erdnussflips und einem Kasten Bier vor dem Fernseher gemütlich gemacht haben, schafft jenes quasi-erotische Zusammengehörigkeitsgefühl, das man sonst nur durch Einnahme von Ecstasy oder die Ausschüttung einer schönen Dividende erreicht.

S                 Für mich war Valtero die Dividende, der Hauptgewinn. Unsere Liebe war gewachsen, als jeder einen eigenen Bereich hatte. Nun war vieles auszuhandeln, was besonders Valtero als stressig erlebte. Seine freie Zeit gehörte ihm nicht mehr alleine, die Wohnung wurde enger.

                   Am Anfang vertrauten wir uns blind. Wie in einer guten Partnerschaft üblich, öffneten wir die Post gemeinsam.

                   (Sie überlegt.) Heißt eheliche Gemeinschaft, wirklich alles zu teilen?

                   "Ich weiß etwas, was du nicht weißt…" spielten wir als Kinder. Und fühlten uns stolz dabei. Ab dem Alter von fünf oder sechs Jahren, wenn sich Kinder immer mehr als eigenständige Wesen begreifen, hüten sie ihre ersten kleinen Geheimnisse. Ab dann brauchen wir Bereiche, die alleine uns gehören und über die wir selber bestimmen.

                   Wenn man in einer Beziehung aufgeht, muss man ab und zu auf etwas Eigenes zurückgreifen oder sich in einen persönlichen Raum zurückziehen können, um die eigene Mitte wieder zu finden. Ein solcher Rückzug richtet sich gegen niemanden, auch nicht gegen den Partner.

                   Für eine vertrauensvolle Beziehung ist es auch kein Problem, vom andern nicht alles zu wissen, denn die Liebe lebt mehr vom gegenseitigen Verstehen als von gegenseitiger Kontrolle.

                   Paare, die alles miteinander machen, stellen wahrscheinlich irgendwann fest, dass ihre Beziehung langweilig geworden ist. Ihnen fehlt die Belebung, die durch getrennte Aktivitäten und Engagements entsteht.

                   Diese setzen natürlich gegenseitiges Vertrauen voraus und Verständnis für die individuellen Interessen des andern. Ein Übermaß an Nähe und Gemeinsamkeit kann sich in der stets geöffneten Badezimmertür ausdrücken, aber auch im fehlenden Raum für eigene Wünsche, keine freie Zeit für sich zu haben oder kein Recht auf ungeteilte Erinnerungen.

                   Die große Nähe hat uns nicht gut getan. Jeder brauchte kleine persönliche Bereiche, die für den anderen tabu sind. Wir haben die Chance verpasst. Die ständige Nähe hat sich in das Gegenteil umgeschlagen und uns ohne dass wir es merkten entfremdet. Valtero ist ein Spießer wie er im Buche steht geworden. So schlampig er früher war, so pingelig ist er heute. Das totale Gegenteil von dem, was ich geheiratet habe.

A                Dann mach doch endlich den ganzen Schritt und verlasse ihn. Ich habe Dir immer wieder gesagt, dass ich Dich liebe und mit Dir zusammen leben möchte.

                   Und ich verspreche Dir, dass Du bei mir alle Freiheiten haben wirst, die Du brauchst. Wir fangen ein ganz neues Leben an.

                   Wir wandern gemeinsam aus und leben fortan in einem eigenen Haus mit Garten und Blick aufs Meer, an einem Ort wo die Uhren einem langsameren Takt folgen und wo das vereinbarte Wort und der Handschlag noch etwas zählt und eine Rechtsschutzversicherung überflüssig ist, wo die Leute von Natur aus freundlich und gelassen sind und nicht, weil sie Dir eine Versicherung verkaufen wollen und Menschen nicht nach der Schuhmarke beurteilt werden.

                   Ich zeige Dir, wie man malt. Wir werden Bilder im großen Stil verkaufen. Irgendwo dort, wo die Sonne scheint.

S                 (Sie wendet sich ab.) Das kann ich nicht.

A                Kannst Du nicht oder willst Du nicht? (Energisch.) Suzano, Du musst zu unserer Liebe stehen! Du kannst mich nicht immer verleugnen sondern musst auch Verantwortung übernehmen.

                   Hast Du mir nicht immer erzählt, dass Valtero keine Verantwortung übernehmen will? Und Du tust es auch nicht. Mein Bild, das ich extra für Dich gemalt habe, das hast Du wochenlang nicht aufgehängt, weil Du Angst hattest, Dein Mann würde Fragen stellen.

S                 Das Bild. Du hast mir gesagt, es wäre ein Einzelstück!

A                Das ist es auch. Es ist einzigartig wie Du.

S                 Valtero hat mir gesagt, er hat es irgendwo schon einmal gesehen.

A                (Er lacht.) Vielleicht hatte er ein Déjà-vu. (Mit frechem Grinsen.) Ich habe auch manchmal das Gefühl, Du hättest eine rothaarige Zwillingsschwester.

                   Minigolf spielen wir ein anderes Mal. Ich werde jetzt gehen, bevor Dein Mann nach Hause kommt. (Ironisch.) Wir wollen doch nicht, dass Du Dich plötzlich entscheiden MUSST. (Er gibt ihr einen Kuss auf die Wange.)

S                 Wann kommst Du wieder?

A                Ruf mich an.


 

Er küsst sie noch einmal und geht.

 

 

 

8. Szene

 

S                 Ach Alekso. Ist er nicht toll? Er denkt sich immer verrückte Sachen für mich aus.

                   Ein Liebhaber ist auf jeden Fall viel praktischer als ein Ehemann. Er ist da, wenn man ihn braucht, er gibt sich viel Mühe, auf meine Bedürfnisse einzugehen, er erwartet nicht, dass ich ihn bekoche und verschwindet diskret, bevor mein Ehemann wieder nach Hause kommt.

                   (Sehr nachdenklich.) Das Lebensprojekt von Valtero und mir begann mit der Vision von einer glücklichen Ehe. Valtero arbeitete meistens abends und nachts, während ich morgens ins Geschäft ging.

                   Das sollte nur solange gehen, bis genug Geld da wäre. Wir hofften, dann hätten wir mehr Gemeinsamkeiten. Ich dachte, Valtero würde dann weniger arbeiten. Ich wünschte mir mehr Zweisamkeit, während Valtero sich Hobbys und Abenteuer suchte.

                   Unsere Alltagsgespräche wurden hart, es entstand ein gereizter Ton, es gab kaum Themen, über die wir uns ruhig unterhalten konnten. Jeder sprach eine andere "Sprache der Liebe".

                   Ich hatte gehofft, im Urlaub mit Valtero reden zu können. Angeblich reden Paare im Durchschnitt zehn Minuten pro Tag miteinander. Anders im Urlaub. Man ist den ganzen Tag beisammen und hat fast unbegrenzt Zeit füreinander. Meine Wunschliste für die Urlaubswoche sah so aus: viel Zeit mit Valtero verbringen, über die Beziehung reden, Urlaub vom Haushalt, weder kochen noch Wäsche waschen.

                   Den perfekten Urlaub stellte Valtero sich so vor: Auf einen Berg kraxeln, schwimmen und tauchen, aber bloß nicht reden. Er wollte lesen, aber nicht shoppen gehen müssen. Außerdem gut essen und trinken.

                   Fazit: Wir hätten getrennt Urlaub machen sollen. Männer sind eben auch nur Probleme, die man systematisch lösen muss. Für jedes private Problem gibt es ein Buch von "Wie man ein Motorrad repariert" bis hin zu "Warum Französinnen nicht fett werden".

                   Dasselbe gilt für geschäftliche Angelegenheiten. Niederlassung in China defizitär? Mitarbeiter stinkfaul? Projekte chaotisch? Bücher, die das wieder hinbiegen wollen, gibt es im Dutzend billiger. Jetzt fehlt nur noch ein Buch, das betriebswirtschaftliche Techniken zur privaten Anwendung auf den Ehemann aufbereitet.

                   Keine Hilfe im Haushalt? Einsilbiges Geschnauze? Beruflich ist der Herr orientierungslos, am heimischen Sex nur wenig und am Alkohol zu sehr interessiert? Hier gilt es zu intervenieren.

                   Zwischen dem Tritt in den Allerwertesten und der Wiederaufnahme ins Familienheim liegen lange Listen, die der Herr abarbeiten muss. Er muss mit mir reden, produktiv und kreativ werden, Entertainer und Liebhaber sein, Karriere machen und auch noch glauben, dass er nun der ist, der er immer sein wollte.

                   Es ist doch auffallend, dass er sich im Büro und im Alltag besser benimmt als zu Hause. Zur Kassiererin im Supermarkt ist er netter als zu mir. Meine Anwesenheit nebst den damit verbundenen Dienstleistungen hält er für eine Selbstverständlichkeit. Dass diese Mischung aus Kritiksucht und Gleichgültigkeit auf Dauer Unglück heraufbeschwört, ist wohl die wichtigste Erkenntnis des Urlaubs.

                   Was ist eine Ehe? Eine Liebe fürs Leben, Zweckgemeinschaft auf Zeit oder Hölle mit nur einem Ausweg: Davonlaufen?

                   Am Anfang habe ich an die ewige Liebe geglaubt, bis dass der Tod uns scheidet. Aber nach paar Jahren stehen wir mitten in den Trümmern unserer Ehe. Er bekommt einfach nichts auf die Reihe. Sein Talent ist sehr einseitig: Er ist ein guter Verkäufer. Sonst nichts. Ein guter Ehemann jedenfalls nicht.

                   Ich habe auch seine Kunden und Projekte betreut, musste permanent die Notbremse ziehen, wenn er wieder mal Termine und Fakten verwechselt hat. Dazu war ich kreativer Kopf, Ehefrau und Haushälterin.

                   Wenn ein Mensch das jahrelang macht, bricht er zwangsläufig irgendwann zusammen. Ich habe bemerkt, wie mich plötzlich alle Kraft verließ. Wie ich den Rückzug brauchte, um endlich wieder neue Energie zu tanken. Ich hatte ein Burnout-Syndrom. Ich wollte mein letztes bisschen Kraft für mich retten. Und nicht für meinen unfähigen Ehemann und dessen sinnlose Geschäfte, die uns in die Pleite reiten.

                   Valtero ging mit seiner Firma pleite und musste sich anstellen lassen und Anweisungen entgegen nehmen. Er fing an, seine Abende in Spielhallen zu verbringen.

                   Und auch ich musste mein Belohnungssystem ankurbeln. Alles drehte sich bei mir ums Kaufen. Was harmlos als Schnäppchenjagd angefangen hatte, wurde allmählich zum Zwang. Ich begann mehrmals die Woche durch Kaufhäuser zu streifen, bestellte bei Versandhäusern Dinge, die ich gar nicht brauchte und unausgepackt im Schrank versteckte.

                   Meine Gedanken kreisten den ganzen Tag ums Einkaufen. Wenn die Geschäfte mehrere Tage geschlossen waren, wurde ich nervös und gereizt. Weihnachten mit vielen einkaufsfreien Tagen war die Hölle für mich.

                   Es gab immer öfter Streit deswegen. Wir waren beide süchtig. Unser Konto war chronisch überzogen. Das löste immer wieder Streit aus. Jeder Streit verstärkte mein Bedürfnis nach dem Einkaufskick.

                   Anders als bei Alkohol oder Nikotin kann man ja vom "Einkaufen" nicht abstinent werden. Der Weg zurück zu einem kontrollierten Kaufverhalten begann damit, Einkäufe nur mehr bar zu bezahlen. Es fiel mir sehr schwer, genaue Aufzeichnungen, wofür ich Geld ausgab, zu führen. Immer wieder ertappte ich mich, wie ich Beträge "unter den Tisch" fallen ließ.

                   Es hat lange gedauert, aber Valtero und ich haben es geschafft, von unseren Süchten loszukommen. Oder sind wir von unseren Sehnsüchten los gekommen?

                   Nein, die Sehnsucht ist geblieben. Die Sehnsucht nach Liebe. Liebe, die wir in der Ehe nicht gefunden haben. Ich war Valtero treu. Aber auch grundsätzlich treue Menschen können sich verlieben.

                   Was uns an anderen Menschen besonders fasziniert, ist das, was im ehelichen Alltag zu kurz kommt. Das kann Anerkennung sein, Bewunderung, ein anregender Aus-tausch oder einfach Lust auf Nähe und Sexualität. Auf Dauer lassen sich so grundlegende Bedürfnisse aber nicht aus der Hauptbeziehung ausgliedern, wie Valtero es sich gerne gewünscht hätte.

                   Trennung? Wenn sich zwei trennen, kommt irgendwann der Augenblick der Wahrheit. Die Abrechnung, wo alles raus muss, was die Seele bedrückt hat. Dann stellen beide oft verblüfft fest, dass ihre Ehe anfangs wohl ein großes Missverständnis war und danach wie ein Käfig.

                   Das Eheleben hat eben immer zwei Wahrheiten. Für manche ist die Ehe wie ein Spielplatz. Man vergnügt sich miteinander und kümmert sich lieber nicht um morgen. Bis einer von beiden aufwacht und spürt: Schluss mit lustig...

                   Und wie geht die Gesellschaft mit dem Thema „Liebhaber" oder „Geliebte" um? Immer wieder wird von Moral geredet. Es gibt hier ein Ungleichgewicht. Ein untreuer Mann ist ein Casanova, eine untreue Frau eine Schlampe.

                   Diese „doppelte Moral" ärgert mich. Die Gesellschaft legt für Männer und Frauen unterschiedliche Normen für das Sexualverhalten an. Das bedeutet, dass über lange Zeit Frauen größere sexuelle Beschränkungen auferlegt wurden als Männern.

                   Mädchen und Frauen wurden traditionell in ihren sexuellen Möglichkeiten erheblich eingeschränkt, um sich „rein" und „unschuldig" zu bewahren. Jungen und Männer hingegen wurden immer dazu angehalten, sich „die Hörner abzustoßen", wie es ihre „animalische Natur" verlangte.

                   Aus diesem Grunde wurden Frauen für die kleinste sexuelle Übertretung gestraft, während man Männern erhebliche sexuelle Freiheiten zugestand. Und so ist es heute noch.


 

                   (Kämpferisch.) Ich werde es ihm sagen. Ich werde mich hinstellen und sagen: „Valtero, ich habe Dich betrogen! Ich liebe einen anderen Mann!"

                   Wer öffentlich bekennt, dass er einen anderen liebt, der schafft klare Fronten und bereinigt eine hochexplosive Situation. Alle Beteiligten wissen unmissverständlich, woran sie sind. Es gibt keine falschen Hoffnungen mehr, keine weiteren Verletzungen. Enttäuschung und Hass können ihren Lauf nehmen, Wunden heilen. Und auf der anderen Seite sind die Voraussetzungen für eine neue oder vielleicht erneuerte Liebe gegeben.

                   (Es verlässt sie der Mut.) Wie wird er darauf reagieren? Hochkant rauswerfen wird er mich! Ohne einen Cent auf die Straße schicken, mich demütigen, mich gesellschaftlich ruinieren!

                   (Panisch.) Ich kann es ihm nicht sagen! (Sie hört ein Geräusch, eine Tür wird aufgeschlossen.) Oh Gott, er kommt!

 

 

 

9. Szene

 

Valtero kommt nach Hause. Er wirkt angespannt. Keine Begrüßung, kein Kuss. Suzano sagt kein Wort.

 

W                (Wie abwesend.) Ich wollte heute mit Dir tanzen gehen. (Er dreht Gedankenverloren eine Tanzfigur.) Aber ich habe vergessen, wie man das macht. Wie ging das noch mal mit den Schritten?

S                 (Sie begreift ihn nicht.) Was?


 

W                Was haben Tanzkurse, Fremdsprachenschulen und Fitness-Studios gemeinsam? Sie sind überflüssig. Sinnlos. Zeitverschwendung. Sie sind wie ein Führerschein, mit dem man nur auf dem Übungsplatz fahren kann.

                   Mit der Realität haben sie nichts gemein: Aus dicken Oberarmen wird hängendes Gewebe, sobald man keine Hanteln mehr hebt.

                   Die "Italienisch für Fortgeschrittene"-Kenntnisse versagen auf dem ersten Rastplatz kurz nach der österreichischen Grenze.

                   Und auf der Hochzeit des Freundes fragt man sich erfolglos, wie die Schritte beim langsamen Walzer noch mal gingen, dann hopst man wieder strukturlos über das Parkett.

                   Dabei hat man soviel geübt! Für den Ernstfall! Und dabei vergessen: Außerhalb des Kurses geschieht dieser nie.

                   Wir beide waren der irrigen Meinung, unsere gegenseitige Zuneigung und das gute Einvernehmen blieben von selber aufrecht, wir müssten nichts für unsere Nähe und Verbundenheit tun.

                   Du hast mir nie erzählt: Bist du zufrieden, wie wir die Feierabende verbringen, unsere Zeit verplanen, unsere Sexualität leben? Was sollten wir loslassen, weil es sich überlebt hat? Was steht möglicherweise meiner und Deiner Lebendigkeit im Weg? Gibt es Wünsche, die Du mir nur dann sagen würdest, wenn ich verspreche, darüber nicht zu lachen?

S                 (Irritiert.) Wovon redest Du denn?

W                Bei Manuela und Klemens haben wir uns als Gäste immer besonders wohl gefühlt. Als Gastgeber sind sie großzügig, scheuen weder Kosten noch Mühen, man weiß sich bei ihnen einfach willkommen. Aber darüber hinaus pflegen sie einen liebevollen Umgang.

                   Wie sie sich anschauen, wie sie sich gelegentlich flüchtig berühren, zueinander lehnen und übereinander reden. Sie haben offenbar im Laufe der Jahre kleine Gewohnheiten entwickelt, die ihre Liebe lebendig erhalten. Sie umarmen sich, wenn einer weggeht oder heimkommt.

                   Sie erzählten oft, dass sie regelmäßig gemeinsam etwas unternehmen, ein Kino besuchen, essen gehen oder lange Spaziergänge machen. Kürzlich haben sie sich zu einem Tanzkurs für Paare angemeldet, um bei der Silberhochzeit der Schwiegereltern fit zu sein. Wenn sie von sich erzählen, schwingt viel Anerkennung für den anderen mit.

                   Ein bisschen Eifersucht kann die Liebe beleben, starke Eifersucht gefährdet und zerstört die Liebe. Ich bin mir darüber bewusst und bin trotzdem eifersüchtig. Wie eine Stichflamme schießt es mir ins Herz und bringt meine Gefühle in Aufruhr. Ich bin schweißgebadet, der Magen verkrampft sich, ich glaube, keine Luft mehr zu bekommen. Ich kann an nichts anderes mehr denken und glaube verrückt zu werden.

                   In unserer Ehe herrscht pure Erschöpfung, allmählich werden nicht nur die Tage, sondern auch die Gespräche kürzer. Wir leben in einer so schnelllebigen Zeit. Und wir haben so vieles verlernt.

                   (Nach einer langen, kaum auszuhaltenden Pause.) Ich war heute Abend nicht beim Sport.

S                 (Ihre Stimme klingt hysterisch, viel zu hoch.) Nein?


 

W                Nein. Ich habe im Auto vor der Tür gewartet.

S                 (Völlig verunsichert.) Du hast...

W                Du hattest Besuch. Er war lange da.

S                 Ich...

W                Ich habe noch einen Augenblick gewartet, nachdem er gegangen war. Ich wollte mir etwas zurecht legen, was ich Dir sagen könnte. Aber es fällt mir nichts ein.

S                 Valtero...

W                Du betrügst mich. Niemals hätte ich damit gerechnet! Ich saß im Auto und war bestürzt und fassungslos und eifersüchtig. Ich habe mir die Frage gestellt: "Warum hast du mir das angetan?"

                   Ich bin enttäuscht und wütend. Ich habe mich gefragt, ob ich Dich in die Arme eines anderen Mannes getrieben habe? Treue hat viel mit Aufmerksamkeit und wenig mit Gewohnheit zu tun. Fehlte Dir meine Aufmerksamkeit? Manche Tiere verlieren in Gefangenschaft ihr Interesse aneinander. Sind wir Gefangene? Oder Tiere? Oder woran hat es gelegen?

S                 Du... Du hast mich verfolgt mit Deiner Eifersucht. Wer ständig kontrolliert wird, fühlt sich nicht geliebt und geborgen, sondern eingesperrt und gegängelt und möchte dem entkommen. Auch eine große Liebe will gepflegt sein. Anerkennende Blicke, zarte Berührungen, spontane Gesten sind bei frisch Verliebten häufig. Leider sind diese kleinen Muntermacher der Liebe bei uns im Alltag verloren gegangen. Wenn gegenseitige Anerkennung lange Zeit ausbleibt, können sich Gefühle der Bitterkeit und Einsamkeit breit machen.


 

                   Und immer "müssen" wir uns über Kleinigkeiten streiten. Wenn wir in Streit geraten, fängt es meist damit an, dass ich über ein Problem reden will, Du dieses jedoch auf die "lange Bank" schieben möchtest. Auf eine ruhig vorgebrachte Kritik reagierst Du aufgebracht, gehst auf das angesprochene Thema nicht ein, sondern überhäufst mich mit Vorwürfen und Kränkungen, die mit dem Angesprochenen überhaupt nichts zu tun haben.

                   Du trittst die Flucht nach vorne an, und ich weiß dann, dass ich Dich wieder nicht als den liebenswerten und gescheiten Mann erreicht habe, den ich kenne. Du scheinst in Deinem Selbstwert so unsicher zu sein, dass Du auf fast jeden Wunsch nach Veränderung verletzt und angegriffen reagierst und zu wilden Rundumschlägen ausholst. Für Dich scheint Angriff die beste Verteidigung zu sein.

W                Ich habe die Ehe verlernt. Ich weiß nicht mehr, wie man das macht. Ich fühle mich wie frisch aus der Tanzschule im Ernstfall und weiß nicht, was ich machen soll.

S                 (Verärgert.) Du bist doch so ein Heuchler. Du bezichtigst mich des Ehebruchs? Ich habe Deine SMS und die Briefe von Regxino gelesen. Liebst Du sie?

W Ja. Oder zumindest brauche ich sie, weil sie mir das gegeben hat, was mir fehlte. Als ich mich in Regxino verliebte, war ich selbst überrascht, wie sehr mich das aufwühlte und wie oft ich an sie denken musste. Diesen Kick hatte ich noch nie erlebt, erst jetzt wusste ich, wie lebendig ich sein kann.

S                 (Sarkastisch.) Und jetzt bist Du tot, oder was? Ich habe die Veränderung an Dir bemerkt. Du wurdest der große Schweiger. Als ich den Grund dafür heraus fand, war ich verletzt und wütend, ich bekam furchtbare Angst, Dich zu verlieren. Mir wurde schnell klar, dass unser gemeinsames Leben in ziemlicher Routine verlaufen war und dass wir unsere Lebendigkeit unter einer dicken Schicht von Gewohnheiten erstickt hatten.

W                Ich fühle mich von Regxino verstanden.

S                 Was versteht sie denn?

W                Wie ich mich fühle.

S                 Und verstehst Du, wie ICH mich fühle?

W                Ein wenig.

S                 (Sie schreit plötzlich laut auf.) Ein wenig? Gar nichts verstehst Du, Du Arschloch! Du hast mich nicht einmal in den Arm genommen, als es mir schlecht ging. Es ging mir echt mies, aber du hast mich nur kritisiert.

W                Willst Du die Scheidung?

S                 (Sie schreit.) Raus mit Dir! Ich will Dich nicht mehr sehen! Verschwinde!

W                Lass uns wenigstens ohne Hass und ohne Schlammschlacht auseinander gehen. Wenigstens das, bitte!

S                 (Sie schiebt ihn von der Bühne vor den Vorhang.) Raus! Lass mich in Ruhe.

 

Sie schlägt eine imaginäre Tür hinter ihm zu. Man hört ein Türknallen.


 

10. Szene

 

Suzano ist auf der Bühne. Sie lässt sich verzweifelt auf einen Stuhl fallen und schlägt die Hände vor das Gesicht. Valtero geht im Bereich vor dem Vorhang durch die „Straßen", setzt sich gelegentlich auf den „Kantstein" und durchdenkt die Situation. Beide sehen oder hören sich nicht, wenn sie abwechselnd oder gleichzeitig sprechen.

 

W                Zugegeben, jetzt durch die nächtlichen Straßen zu laufen ist ziemlich blöd und die Flucht nach draußen ist eine sehr einfallslose Reaktion auf einen Streit.

                   Anstatt zu warten, bis die Vernunft siegt, überlässt man sich infantilem Trotz und läuft gedankenschwer durch halbdunkle Straßen. Im Regen, versteht sich.

                   (Er schlägt den Kragen hoch.) Das unterstreicht zwar einerseits die Dramatik, aber andererseits wird einem mit jedem Wassertropfen auch mehr Trübsinn eingeflößt.

S                 (Sie rafft sich auf und wischt sich Tränen weg.) Scheiße. Ich habe mich dazu hinreißen lassen, Valtero anzuschreien. (Voll Erkenntnis.) Selbstvorwürfe helfen mir jetzt nicht weiter, genau so wenig die Erkenntnis, dass ich offenbar nicht in der Lage bin, festzustellen, wann eine Diskussion aufhört und ein Streit beginnt.

                   Bisher war es auch unnötig, diese Fähigkeit zu besitzen. Im Gegenteil, wir hatten es geschafft, unser Ziel "Partnerschaft" zu realisieren, dieses vergnügte Zusammenleben bei steigender Vertrautheit und gegenseitigem Verständnis, einschließlich dazugehöriger Portionen Romantik und Leidenschaft, Allerweltsproblemen und Alltagsbanalitäten.

W                Was soll ich nun machen? Zurückgehen und darauf hoffen, dass Suzano mein Auftauchen ungeduldig herbeisehnt?

                   Nein, dazu ist es noch zu früh. Wer weiß denn, ob ihr Ärger schon verflogen ist? Schließlich war es auch meine Schuld, ich war genauso wie sie der Schadensverursacher, ich habe nicht besonders viel Feingefühl bewiesen, sondern mich wie die Axt im Wald benommen und mit meinen Äußerungen dafür gesorgt, dass es zum großen Knall kommen musste. Ich war ihr nicht treu, aber sie mir auch nicht.

S                 Zukünftig sollte ich eins vermeiden, nämlich mir innerhalb einer Meinungsverschiedenheit den ganzen Frust von der Seele reden oder schreien zu wollen: man zerschlägt nur 'ne Menge Geschirr und fühlt sich danach miserabel, einsam und todtraurig.

                   (Ihr fällt etwas ein.) Alekso! Ich muss ihn anrufen. Er muss kommen und mir helfen. (Sie holt ihr Handy und wählt eine Nummer.)

W                Ich brauche jetzt Regxino. Mal hören, was sie zu der Situation sagt. (Er nimmt sein Handy und wählt eine Nummer.)

S+W           (Beide fluchen gleichzeitig.) Mist! Besetzt! (Sie legen frustriert die Handys weg.)

S                 Die Zeit der Analyse ist gekommen. Wie in einem schlechten Theaterstück. Man wird sein eigener Kritiker und überlässt es dem Gedächtnis, die Aufzeichnung des Stückes zu liefern. Eine Inszenierung endet im Fiasko, und beide Akteure verzichten auf die anschließende Premierenfeier, könnte das Fazit dieser Betrachtung lauten.

W                Tja, und dann kommt so ein Abend wie heute! Der unfreiwillige Spaziergang in die pittoreske Umgebung des alten Stadtkerns ist kaum geeignet, Depressionen zu verscheuchen. Abgesehen davon, dass mich die Architektur von Fachwerkbauten nie sonderlich interessiert hat, bin ich im Moment einfach zu sehr mit mir selbst beschäftigt, um ein Auge für Butzenscheiben, schiefe Giebel und Wurm zerfressene Holzbalken zu haben.

S                 Talentlosigkeit muss ich mir bescheinigen, in der Kunst der Dialektik habe ich versagt und den von mir beanspruchten Part zusätzlich verhunzt durch schlechte Improvisation, Subjektivität und ein Ausreizen des Stimmvolumens.

                   Im Nachhinein kann ich nur schwer erklären, warum ich sofort los geschrieen habe. Streitlust? Pessimismus? Aversion gegen Harmonie? - Wahrscheinlich von jedem etwas.

                   Ich muss endlich lernen, meine Gefühle besser zu kontrollieren, vor allem auf privater Basis! Das ist ungleich schwieriger als "draußen", denn "drinnen" ist man ehrlicher, offener, zärtlicher, wütender, direkter und sensibler, man gibt sein dickes Fell an der Garderobe ab und lässt sich und seine Seele verwöhnen von einem Ambiente, das oft mit "Friede-Freude-Eierkuchen" beschrieben wird. Egal, wie man es nennt, schön ist es trotzdem, zum Schnurren schön bis, ja, bis der Katzenjammer uns scheidet! Dabei ging es mir immer um uns.

W                Das war das erste Mal, dass Suzano mich rausgeschmissen hat. Sie gehörte immer zu den Idealisten, sie hat immer das Positive gesehen und für sie galt stets die These: Gemeinsam sind wir stark! Ein Satz, der fast ironisch klingt - wann haben wir denn je Stärke gezeigt?

                   Es ist bloß idiotisch, dass mich diese Einsicht so spät überfällt, hätte ich vorhin kein Brett vor dem Kopf gehabt, wäre der ganze Streit überflüssig gewesen. Wenigstens hat mir der Spaziergang dazu verholfen, meine eigene Toleranzgrenze zu erweitern, und die heutige Erfahrung wird mir beim nächsten Rededuell mehr Einfühlungsvermögen abringen.

                   (Er atmet durch.) Scheint so, als wäre es mir geglückt, mein umnebeltes Hirn frei zu pusten. Vielleicht der günstigste Zeitpunkt, um sich zu fragen, wie wohl jetzt die Chancen für eine reumütige Rückkehr stehen.

S                 Ob er zurück kommt? Möglich wär's, ist ja schon über eine Stunde vergangen, seitdem ich ihn rausgeworfen habe. Da könnte man eigentlich den Versuch einer Versöhnung wagen, oder? Valtero ist schließlich nicht der Typ, der seinen Ärger tagelang mit sich herumschleppt, er wird genau wie ich froh sein, wenn wir die gewohnte Situation wieder hergestellt haben.

                   Aber es wird nicht mehr so sein wie früher. In mir ist etwas zerbrochen. Ich habe ihm eine ganze Menge verziehen. Das muss er erst einmal wieder gutmachen. Ich werde ihm sehr entgegen kommen, aber wenn Valtero denkt, dass ich jetzt hinter ihm her telefoniere, hat er sich getäuscht. Fällt mir überhaupt nicht ein. Ich werde hier auf ihn warten und seiner Entschuldigung lauschen. Ist sowieso die vorteilhaftere Position.


 

                   Ich werde mich für ihn noch ein wenig hübsch machen.

 

Sie geht ins Bad.

 

 

 

11. Szene

 

W                Noch zwei Straßen bis zum Happyend! Ich muss mich bremsen, dass ich dem Drang zum Dauerlauf nicht nachgebe, aber wer möchte bei seiner Ankunft schon total abgehetzt und derangiert aussehen.

                   Und wenn Suzano gar nicht da ist? Wieso kommt mir das erst jetzt in den Sinn? Natürlich! Warum sollte sie zuhause sitzen und auf mich warten? Ich wette, sie ist bei ihrem Lover und lässt sich von ihm trösten, der hat lange auf eine solche Gelegenheit gehofft. Der geborene Seelenmasseur, sehr verständnisvoll, sehr hilfsbereit und ein perfekter Zuhörer.

                   Wie soll ich ihr bloß gegenübertreten? Mal angenommen, sie sitzt vor dem Fernsehgerät. Ich schließe die Wohnungstür auf, ziemlich laut, und rufe gleich in der Diele ein fröhlich klingendes Hallooho, ich bin wieder daaha, dann gehe ich ins Zimmer - nein, falsch, ich gehe nicht ins Zimmer, sondern lehne mich erst gegen den Türrahmen, mit zerknirschtem Gesicht, und von da leite ich die Entschuldigung ein, etwa so: Suzano, es tut mir furchtbar leid, dass ich mich vorhin so blöd benommen habe, tu mir den Gefällen und vergiss den Scheiß, den ich geredet hab'... ob das reicht? Sicher reicht es, um das Klima zu testen, entweder lauwarm oder eiskalt!


 

                   Aber was mach' ich, wenn sie Musik hört? Über Kopfhörer, sie hört Musik immer über Kopfhörer mit dem Rücken zur Tür!

                   Naja, dann könnte ich in die Küche schleichen, eine Flasche Sekt und zwei Gläser holen, mich derart ausgerüstet vor ihr aufbauen, darauf wird sie die Kopfhörer abnehmen und verwundert fragen, was das soll. Ich sage nur "Versöhnungsfeier" und füge meine Entschuldigung hinzu. Ich hoffe, es wird funktionieren. Ach was, es muss!

                   (Er ist angekommen.) Nun bloß noch die Wohnungstür aufschließen und all die Grübelei hat ein Ende. Aha! Ihr Schlüssel steckt nicht, wie üblich, von innen.

                   (Er betritt die Wohnung.) Suzano! Ich bin da! Ich würde gerne mit Dir reden! Suzano! Wo bist Du denn?

                   (Er schaut ins Nebenzimmer.) Suzano, ich bin gekommen, um mich zu entschuldigen. Ich habe mich wie ein Idiot benommen.

                   (Er wird ungeduldig.) Suzano, nun komm schon raus. Ich rutsche hier auf Knien rum und Du lässt mich zappeln!

                   (Ungnädig.) Ich weiß doch, dass Du da bist. Was soll der Scheiß? Komm raus! Ich hab doch gesagt, ich will mich entschuldigen!

                   (Wütend.) Suzano. Du kommst jetzt sofort her, oder Du bist dafür verantwortlich, wenn wir uns trennen. Ich habe jetzt keinen Bock mehr auf diese Spiele.


 

12. Szene

 

Aus dem Badezimmer kommt Regxino in der Kleidung von Suzano. Die beiden unterscheiden sich nur durch die Haare. In der Hand trägt sie einen kleinen Koffer. Valtero erschreckt sich, als er Regxino erblickt. Sein Ton ändert sich schlagartig.

 

R                Hallo Valtero.

W                Regxino! Was machst Du denn hier? (Panisch.) Hat Suzano Dich gesehen?

R                Suzano ist kein Problem für uns. Sie versteht, dass wir uns lieben und brauchen. Sie wünscht uns für den Neuanfang alles Gute.

W                (Fassungslos.) Du hast mit ihr gesprochen?

R                Sie ist sehr verständnisvoll. Du hast sie offenbar unterschätzt.

W                (Völlig überfordert.) Was ist denn hier passiert. Ich verstehe das nicht.

R                Das ist ja immer das Problem mit Euch Männern. (Sie nimmt die Sache in die Hand.) So, Du packst jetzt Deinen Koffer. Nur das Nötigste. Wir gehen weg von hier. Wir brauchen das hier alles nicht mehr. Wir fangen neu an.

W                (Er hat Zweifel.) Wo wollen wir denn hin?

S                 Wir gehen irgendwohin, wo die Sonne scheint. Du malst Landschaftsbilder und ich verkaufe sie an Touristen. Wir schaffen das schon.

W                Aber... ich kann nicht malen.

S                 (Sie schaut zu dem Bild an der Wand.) Doch, das kannst Du. Du musst es nur zulassen.

W                Warum... warum tust Du das alles?


 

R                Weil ich Dich liebe, Valtero. Über alles liebe. Deshalb. Vertraue mir. Ich würde alles für Dich tun.

W                (Er ergreift ihre Hand.) Und ich vertraue Dir. Du hast Recht, wir schaffen es. Du bist wunderbar. Ich liebe Dich. Regxino, meine Königin!

 

Sie umarmen und küssen sich. Das Licht geht aus.

 

ENDE